Rechtsradikale Gewalt:Die USA gäbe es nicht ohne Migration

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Trump aber hat diese Minderheit aufgepumpt, hat ihre Ressentiments bedient, hat Fremdenhass wieder salonfähig gemacht. Auf Twitter hat er alles und jeden attackiert. Nur weiße Nationalisten nicht.

Die USA aber sind anders. Es ist ein Land, in dem so gut wie jeder eine familiäre Migrationsgeschichte erzählen kann. Es ist ein Land, das es so nicht gäbe ohne die oft bittere Migration aus Europa, Afrika, Südamerika, Asien und der arabischen Welt.

Trump müsste nur einmal auf Ellis Island in seiner Heimatstadt New York das Einwanderungsmuseum besuchen. Dort werden viele Migrationsschicksale beschrieben. Auch Trumps Vorfahren haben in den USA als Einwanderer angefangen.

Immigration ist ein fester Bestandteil der US-amerikanischen Identität. Wenn Trump jetzt den Eindruck erweckt, er lehne radikalen Nationalismus und weiße Vorherrschafts-Fantasien nicht aus voller Überzeugung ab, dann stellt er sich auch für konservative Amerikaner auf die falsche Seite.

Scaramucci äußert sich in einer Fernsehsendung unerwartet klug

Trump wird das wie vieles andere auch herzlich egal sein. Er hält sich für den besten Präsidenten aller Zeiten. Seine konservative Anhängerschaft aber sollte jetzt langsam aufwachen.

Trumps Zehn-Tage-Kommunikationschef Anthony Scaramucci hat dazu am Montagabend in der Late-Night-Show von Stephen Colbert etwas unerwartet Kluges gesagt. Er habe im Weißen Haus keine Rassisten kennengelernt. Aber was ihn sehr aufgebracht habe, das sei das hohe Maß an Toleranz gegenüber Rassismus im Weißen Haus.

Viele Menschen im Publikum oder deren Familien hätten Diskriminierung erlebt. Definitiv aber seine eigene Familie. Er empfinde das als "widerlich und verwerflich". Und er werde jeden Tag seines Lebens dagegen kämpfen. Rassismus sei "vollkommen intolerabel".

Scaramucci hat das verstanden. Trump nicht.

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