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Reaktion auf Luftangriff mit vielen Toten:Pakistan stoppt Nachschub für Nato

Mindestens 25 pakistanische Grenzsoldaten sind von Nato-Kampfhubschraubern bei einem Angriff getötet worden. Islamabad reagierte umgehend und schloss eine wichtige Nachschubroute der Nato in der Region. Das Militärbündnis kündigte eine Untersuchung des Zwischenfalls an.

Die Lastwagen an der pakistanisch-afghanischen Grenze stehen Schlange. Nach dem Angriff von Nato-Hubschraubern auf zwei pakistanische Militärposten hat Pakistan eine wichtige Nachschubroute für das Militärbündnis geschlossen. Der Grenzübergang Torkham wurde gesperrt, wie Zollbeamte erklärten. Es habe eine mündliche Anweisung gegeben, alle Nachschublieferungen der Nato zu stoppen. Die nun geschlossene Route führt über den Khyber-Pass, über den die Nato etwa 30 Prozent ihrer Lieferungen für die Truppen in Afghanistan abwickelt.

Lastwagen mit Nachschub für die Nato-Truppen in Afghanistan warten an der pakistanischen Grenze, nachdem diese für Lieferungen an das Militärbündnis geschlossen wurde.

(Foto: AFP)

In einer Erklärung vom Samstag sprach der Oberbefehlshaber der Nato-Schutztruppe Isaf in Afghanistan, John Allen, sein Bedauern über mögliche Tote oder Verletzte unter den pakistanischen Sicherheitskräften aus. Zu dem tödlichen Angriff bekannte sich das Militärbündnis mit Verweis auf die fortdauernde Untersuchung aber nicht.

Die pakistanischen Streitkräfte erklärten am Samstag in einer Stellungnahme, die Nato-Hubschrauber hätten am Vorabend in der Stammesregion Mohmand willkürlich das Feuer auf zwei Kontrollposten eröffnet. Sie seien nicht provoziert worden. Das staatliche Fernsehen berichtete von 25 getöteten Soldaten. Zwei Behördenmitarbeiter in Mohmand bestätigten die Angaben. 14 weitere Soldaten seien verletzt worden.

Gewährspersonen in Mohmand und Peshawar sagten, die Hubschrauber hätten zwei etwa 300 Meter voneinander entfernte Kontrollpunkte angegriffen. Ein Posten sei zwei Mal angegriffen worden. Unter den Todesopfern seien zwei Offiziere. Der Gouverneur der Provinz Khyber Pakhtunkhwa sprach von einem "Angriff auf die pakistanische Souveränität".

Der pakistanische Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani verurteilte den Angriff. Seine Regierung werde von der Nato und den USA aufs Schärfste eine Erklärung verlangen, hieß es in einer Stellungnahme. Die Kontrollposten im Dorf Salala seien erst kürzlich errichtet worden, um pakistanische Taliban am Grenzübertritt zu hindern, sagten Maqsood Hasan und Hamid Khan aus der örtlichen Verwaltung. Die pakistanischen Streitkräfte machen die Taliban für zahlreiche Angriffe auf Soldaten im Grenzgebiet verantwortlich.

NATO-Vertreter in Kabul erklärten, man wisse von dem Vorfall. Es werde eine Erklärung geben, sobald bekannt sei, was genau passiert ist. Im vergangenen Jahr gab es schon einmal einen ähnlichen Vorfall, als ein US-Hubschrauber versehentlich zwei pakistanische Soldaten tötete. Das führte zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen zwischen den USA und Pakistan. Pakistan schloss vorübergehend die Grenze und unterbrach damit für zehn Tage die Versorgung der NATO-Truppen in Afghanistan. Die USA entschuldigten sich schließlich für den Vorfall.

Der jüngste Vorfall dürfte die Beziehung zwischen Islamabad und Washington weiter strapazieren. Das Verhältnis ist bereits wegen der Tötung des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden durch US-Spezialkräfte in Pakistan belastet. Die pakistanischen Behörden waren verärgert, dass sie nicht im Vorfeld über den Einsatz Anfang Mai informiert worden waren. Seither reagieren sie besonders sensibel auf Eingriffe in die Souveränität ihres Landes.