bedeckt München 16°

Rassismus in Deutschland:Berliner "Mohrenstraße soll "Anton-Wilhelm-Amo-Straße" werden

"Nein zu Rassismus -Demonstration" in Berlin

Teilnehmer der Demonstration "Nein zu Rassismus" Anfang Juli vor dem U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Die Bezirksverordnetenversammlung Mitte hat entschieden, den seit Jahren umstrittenen Namen der "Mohrenstraße" zu ändern. Sie soll den Namen des ersten Gelehrten afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität tragen.

Der Name der Berliner "Mohrenstraße" soll geändert werden, weil er von vielen Menschen als rassistisch empfunden wird. Das hat die Berliner Bezirksverordnetenversammlung Mitte beschlossen. Künftig soll die Straße nach Anton Wilhelm Amo benannt werden, dem ersten Gelehrten afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bestätigte am Freitag, dass der entsprechende Antrag von Grünen und SPD am Donnerstagabend mehrheitlich angenommen wurde. Auch von der Linken-Fraktion kam Unterstützung.

Die zuständige Bezirksverwaltung wurde aufgefordert, den "Prozess zur Umbenennung unverzüglich" einzuleiten, heißt es in einem Tweet der SPD Berlin Mitte. In Berlin sind die Bezirke für die Straßenumbenennungen zuständig, letztlich entscheidet die BVV als Teil der Bezirksverwaltung darüber.

Aus der CDU-Fraktion Berlin-Mitte kam am Freitag Kritik daran, dass eine Bürgerbeteiligung nicht vorgesehen ist und die Anwohner lediglich informiert werden sollen. CDU und AfD hatten in der BVV dafür plädiert, den alten Namen beizubehalten.

Anton Wilhelm Amo, nach dem die Straße benannt werden soll, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in Ghana geboren, als Sklave in die Niederlande verschleppt und dem Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel geschenkt. Er erhielt eine ausgezeichnete Ausbildung, besuchte die Universität Helmstedt, lernte mehrere Sprachen und veröffentlichte 1729 seine Magisterarbeit "Über die Rechtsstellung des Mohren in Europea", 1734 promovierte er in Wittenberg. Er verließ 1747 Deutschland unter anderem aufgrund rassistischer Anfeindungen und kehrte in sein Geburtsland zurück. Wann genau er gestorben ist, ist unbekannt.

Die Initiative Berlin Postkolonial begüßte die Entscheidung. "Das ist ein großartiger Tag: Berlin verbannt eine Beleidigung aus dem Stadtraum und ehrt mit Amo einen widerständigen Gelehrten aus Afrika", sagte Sprecher Mnyaka Sururu Mboro der Berliner Zeitung.

Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG hatten bereits Anfang Juli angekündigt, den Stationsnamen Mohrenstraße in Glinkastraße umzubenennen. Nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) ist eine Straße benannt, die nahe der U-Bahn-Station auf die Mohrenstraße trifft. Nach Vorwürfen, Glinka sei Antisemit gewesen, hinderte der Senat die BVG jedoch daran, die Umbenennung zu vollziehen.

© SZ.de/dpa/mcs/mkoh
Sprache Black People of Color

SZ PlusSprachdiskurs
:Wie sagt man denn nun?

Auch in Deutschland werden Menschen diskriminiert, weil ihr Aussehen als "anders" wahrgenommen wird. Es fehlen die Worte, um ihre Erfahrungen zu beschreiben. Worum es dabei geht - und was getan werden kann.

Von Jörg Häntzschel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite