RAF-Terrorismus:Weiterer Festgenommener wieder freigelassen

RAF-Terrorismus: Mit bearbeiteten Handouts der Staatsanwaltschaft Verden von 2016 werden die ehemaligen RAF-Mitglieder Burkhard Garweg (li.) und Ernst-Volker Staub gesucht.

Mit bearbeiteten Handouts der Staatsanwaltschaft Verden von 2016 werden die ehemaligen RAF-Mitglieder Burkhard Garweg (li.) und Ernst-Volker Staub gesucht.

(Foto: Staatsanwaltschaft Verden/dpa)

Es handele sich nicht um einen der Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg oder Ernst-Volker Staub, teilt die Polizei mit. Das Haus der festgenommenen Daniela Klette wurde wegen einer möglichen Gefahr geräumt.

Bei der Person, die die Polizei nach der Verhaftung der früheren RAF-Terroristin Daniela Klette ebenfalls in Berlin festgenommen hat, handelt es sich nicht um einen ihrer beiden gesuchten Weggefährten Burkhard Garweg oder Ernst-Volker Staub. Der Mann wurde aus den polizeilichen Maßnahmen entlassen, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen mitteilte. "Zweifelsfrei handelt es sich nicht um einen der beiden noch flüchtigen Straftäter", teilte das LKA mit. Nach den beiden noch flüchtigen Verdächtigen werde weiter gefahndet. Auch Staub, 69, und Garweg, 55, sollen der dritten Generation der RAF angehört haben.

Neben der gesuchten RAF-Terroristin Daniela Klette hatten die Ermittler am Montagabend einen Mann festgenommen. Bisher hatten sich die Beamten aber nicht zur Identität des Mannes geäußert. LKA-Präsident Friedo de Vries hatte lediglich erklärt, dass es sich um einen Mann im "gesuchten Alterssegment" handele.

Klette war in Berlin-Kreuzberg verhaftet worden. Die als Terroristin gesuchte 65-Jährige lebte dort nach Angaben des Landeskriminalamts Niedersachsen unter falscher Identität - einem Nachbarn zufolge unter dem Vornamen Claudia. Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler den Angaben nach unter anderem Magazine einer Waffe und Patronen. Der Festnahme durch Zielfahnder war jahrelange Ermittlungsarbeit unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Verden vorausgegangen.

Am Mittwoch wurde dann das Mietshaus, in dem Klette wohnte, wegen einer möglichen Gefahr geräumt. Alle Bewohner mussten ihre Wohnungen am Nachmittag verlassen und standen anschließend auf der Straße, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete. Eine offizielle Begründung gab es zunächst nicht, ein Spurenermittler der Polizei sagte aber: "Weil wir etwas gefunden haben, das gefährlich ist." Auch die Kriminaltechniker der Polizei mussten demnach raus aus dem Haus in der Sebastianstraße. Ob Sprengstoffspezialisten oder Bombenentschärfer angefordert wurden, war zunächst nicht bekannt.

Der dritten RAF-Generation werden versuchter Mord und schwere Raubüberfälle vorgeworfen

Das Trio Klette, Staub und Garweg wird der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet. Die Anklagebehörde wirft den drei versuchten Mord und eine Serie schwerer Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 vor, die Tatorte lagen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Überfälle nicht politisch motiviert waren - die Beschuldigten sollen die Taten begangen haben, um an Geld für ihr Leben im Untergrund zu kommen.

Klette steht nach dpa-Informationen auch im Verdacht, an einem Schusswaffen-Angriff auf die US-Botschaft in Bonn 1991 beteiligt gewesen zu sein. Vermutet wird außerdem die Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt 1993. Spuren deuten darauf hin, dass sie auch bei der Anti-Terror-Aktion 1993 im mecklenburgischen Bad Kleinen am Tatort war. Bei der Aktion kamen damals der GSG-9-Polizist Michael Newrzella und der RAF-Mann Wolfgang Grams ums Leben. Die frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld wurde verhaftet.

Klette sitzt wegen mehrerer Raubtaten in Untersuchungshaft. Bei ihrer Vorführung beim zuständigen Ermittlungsrichter am Amtsgericht Verden habe Klette sich nicht zur Sache geäußert, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Justizministeriums. Es bleibe abzuwarten, ob sie sich im Laufe der kommenden Tage und Wochen einlassen werde.

Vertreter der dritten RAF-Generation sollen auch den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder ermordet haben. Täter und Motiv sind bis heute unbekannt. Rohwedder war am 1. April 1991 in Düsseldorf in seinem Haus am Schreibtisch erschossen worden. Das RAF-Kommando reklamierte die Tat für sich. Es war der letzte Mordanschlag, der der RAF zugeordnet wird.

Die linksextremistische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) galt in der Bundesrepublik seit 1971 als Inbegriff von Terror und Mord. Insgesamt ermordete die RAF mehr als 30 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Opfer waren unter anderem Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. 1998 löst sie sich offiziell auf. Staub und Garweg bleiben verschwunden.

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