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Prozess:Polizist: Reker-Attentäter wollte eigentlich Merkel töten

Prozess um Reker-Attentat

Der Angeklagte Frank S. während eines Prozesstages vor Gericht

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
  • Frank S. soll im Polizeiauto gesagt haben, dass er "gerne Frau Merkel getötet hätte, aber es schwierig sei, an Merkel ranzukommen."
  • Frank S. sieht sich selbst als "konservativer Rebell", der mit seiner Tat auf die angebliche Überfremdung Deutschland aufmerksam machen wollte.
  • Der Polizist, der im Streifenwagen neben Frank S. saß, erklärte, er habe sogar nachgefragt, ob Frank S. wirklich hoffe, dass Reker stirbt. Dieser bejahte.

Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger

Der Attentäter, der die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker einen Tag vor ihrer Wahl lebensgefährlich verletzt hat, wollte offenbar eigentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel töten - um gegen ihre Flüchtlingspolitik zu protestieren. Das wurde am Freitag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf bekannt, wo Polizeibeamte über die Festnahme des Attentäters berichteten.

Einer der drei Polizisten, die den 44 Jahre alten Frank S. nach der Tat in ihrem Dienstwagen auf die Polizeiwache begleiteten, erklärte, er habe genau gehört, dass Frank S. im Auto gesagt habe, dass er "gerne Frau Merkel getötet hätte, aber es schwierig sei, an Merkel ranzukommen". Auf die Nachfrage der Richterin erklärte der Beamte: "Ich habe das hundertprozentig gehört mit Frau Merkel." Seine Kollegen konnten sich daran nicht oder nur vage erinnern.

Frank S. rief dem Polizisten zu, er sei ein "verlogener Schweinehund". Allerdings kritisierte er dann auch einen anderen Polizisten, der das Protokoll dieser Fahrt angefertigt hatte, warum der Satz mit Merkel dort nicht stehe. Es sei ja nicht "ganz unwichtig, dass ich die Bundeskanzlerin umbringen wollte". Der Beamte erklärte, er habe das übersehen. "Dem Kollegen ist es zum Glück aufgefallen."

Frank S. steht wegen versuchten Mordes und mehrfacher Körperverletzung vor Gericht. Er ergreift immer wieder selbst das Wort und muss von der Richterin mühsam im Zaum gehalten werden. Am Freitag forderte sie nach der Beleidigung eines Polizeizeugen die Justizbeamten im Saal auf, sich neben ihn zu setzen. Frank S. stellte erneut den Antrag, seine beiden Verteidiger loszuwerden. Sie würden sich zu wenig um ihn kümmern. Dem kam das Gericht allerdings nicht nach.

Seine Tat werde man erst in fünf oder zehn Jahren verstehen, sagt Frank S.

Frank S. sieht sich selbst als "konservativer Rebell", der mit seiner Tat auf die angebliche Überfremdung Deutschland aufmerksam machen wollte. Die damalige Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker, die sich als Sozialreferentin für die Flüchtlinge einsetzte, galt ihm dafür als Symbol. Die Polizisten erklärten übereinstimmend, dass Frank S. mehrmals erklärt hatte, sein Ziel sei es gewesen, Reker zu töten. Er habe damit ein Zeichen setzen wollen. Er selbst erklärt, er habe nur verletzen und nicht töten wollen.

Der Polizist, der im Streifenwagen neben Frank S. saß, erklärte, er habe sogar nachgefragt, ob Frank S. wirklich hoffe, dass Reker stirbt. Ja, habe der geantwortet. Der Attentäter sei sehr ruhig und freundlich zu den Beamten gewesen. Er habe immer wieder erklärt, dass er die Tat auch für sie begangen habe. Sie müssten ja die ganzen Probleme mit den Ausländern lösen. Wenn Reker Oberbürgermeisterin von Köln werde, dann würde der Islamismus immer stärker werden und die Scharia in Deutschland herrschen, habe Frank S. gesagt. Seine Tat werde man erst in fünf oder zehn Jahren verstehen.

Die Polizisten berichteten auch, Frank S. habe ihnen auf der rund 20-minütigen Fahrt erzählt, dass er nicht mehr zur Jobagentur gegangen sei, weil er dort von zwei "verschleierten" Sachbearbeiterinnen schlecht behandelt worden wäre. Lieber hätte er dann Hartz IV in Kauf genommen. Die letzten Jahre war der gelernte Maler und Lackierer Frank S. arbeitslos gewesen.

© SZ/dayk
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