Protest gegen Neonazi-Aufmarsch Tausende gedenken mit Menschenkette der Bombardierung Dresdens

Zeichen gegen Rechts: Mit einer kilometerlangen Menschenkette haben die Dresdner gestern gegen Neonazismus demonstriert. Mit Blockaden verhinderten sie den Aufmarsch von bis zu 800 angereisten Rechtsextremen. Die Polizei verhinderte mit einem massiven Aufgebot Zusammenstöße.

In Dresden haben mehrere tausend Menschen an die Bombardierung der Stadt vor 68 Jahren erinnert und ein Signal gegen Rechts gesetzt. In der Altstadt bildeten am frühen Mittwochabend nach Angaben der Stadt über 10.000 Bürger eine kilometerlange Menschenkette als mahnendes Zeichen gegen Krieg und Gewalt. Sie demonstrierten damit zugleich gegen den Missbrauch des Gedenktages durch Rechtsextreme.

Die Menschenkette sei ein Symbol dafür, dass Dresden und seine Geschichte den Bürgern der Stadt gehöre und "nicht den braunen Enkeln und Urenkeln der Brandstifter von einst", sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Es gehe darum, an diesem 13. Februar ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt zu setzen. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) beteiligte sich an der Menschenkette.

Neonazis versuchen seit Jahren, die Zerstörung Dresdens durch Alliierte am 13. und 14. Februar 1945 für ihre Propaganda zu instrumentalisieren. Am Mittwochabend versammelten sich laut Polizei etwa 600 bis 800 Rechtsextreme und damit deutlich weniger als erwartet in der Stadt.

3000 Beamte waren im Einsatz

Den Gegendemonstranten gelang es aber nach Angaben des Aktionsbündnisses "Dresden nazifrei" durch mehrere Blockaden, den geplanten rechten Aufmarsch zunächst zu verhindern. Das Bündnis sprach von insgesamt mehr als 4000 Gegendemonstranten, die Polizei von einigen tausend Teilnehmern. Laut Polizei wurde der Zustrom zur rechten Veranstaltung "massiv blockiert".

Die Polizei war mit rund 3000 Beamten im Einsatz, um Zusammenstöße zu verhindern. Nach Angaben eines Polizeisprechers blieb die Lage bis zum frühen Abend zunächst weitgehend friedlich. Mehrere Menschen wurden in Polizeigewahrsam genommen. Zuletzt war es 2011 zu teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Rechten, Linken und der Polizei gekommen.

Bereits am Mittwochnachmittag beteiligten sich nach Angaben von "Dresden nazifrei" rund 3000 Menschen an dem Mahngang "Täterspuren", der an verschiedenen Orten wie der jüdischen Synagoge an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnerte. Die Polizei sprach rund 2100 Teilnehmern. In zahlreichen Kirchen fanden zudem Gottesdienste und Friedensgebete statt.

Bei den Luftangriffen auf Dresden durch Bomber aus den USA und Großbritannien am 13. und 14. Februar 1945 starben rund 25.000 Menschen. Weite Teile der historischen Altstadt wurden damals zerstört. Tausende Opfer sind auf dem Heidefriedhof begraben. Am Nachmittag hatten sich dort rund 150 Bürger, Vertreter der Stadt und der Landespolitik zu einem stillen Gedenken getroffen und weiße Rosen als Symbol der Trauer und als Zeichen gegen Krieg und Gewalt niedergelegt.