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Profil:Sylvan Adams

Vom Radsport begeisterter Milliardär, der den Giro d'Italia nach Israel bringt.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Spätberufene zeichnet oft eine besondere Leidenschaft aus. Sylvan Adams lernte erst mit Ende 30 das Radfahren richtig. Er suchte einen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag als Manager eines Immobilienimperiums. Dann aber trat Adams so kräftig in die Pedale, dass er in seiner Altersklasse sechsmal kanadischer Meister wurde sowie 2009 und 2013 bei den Makkabi-Spielen, den "jüdischen Olympischen Spielen", sechs Goldmedaillen holte.

Die Leidenschaft fürs Radfahren brachte Adams bei seinem Umzug vor zwei Jahren von Kanada nach Israel mit. Der inzwischen 59-Jährige musste aber einsehen, dass der Sport in seiner neuen Heimat keine große Rolle spielte. Das wollte er ändern - und zwar mit der anfangs verrückt klingenden Idee, eines der renommiertesten Radrennen der Welt nach Israel zu holen. Schon öfter fanden Etappen des Giro d'Italia im Ausland statt, aber noch nie war er außerhalb Europas gestartet. 101 Jahre nach dem ersten Start der "Grande Partenza" sollte sich das ändern.

Zuvor galt es, die Verantwortlichen in Mailand zu überzeugen, sich auf diesen logistischen Kraftakt einzulassen. Es gelang Adams nicht zuletzt mit dem verlockenden Vorschlag, dass durch den Giro die beiden in der Religionsgeschichte so wichtigen Städte Rom und Jerusalem verbunden werden sollten. Dabei half vermutlich, dass Giro-Renndirektor Mauro Vegni ein gläubiger Christ ist.

In Israel hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das letzte Wort, der aber rasch zustimmte. Er wusste um die unschätzbare Werbewirkung für Israel angesichts der Tatsache, dass bis zu einer Milliarde Zuschauer weltweit das Radrennen verfolgen würden.

Politisch heikel war die Streckenführung vor allem in Jerusalem. Der von den Palästinensern als ihre Hauptstadt beanspruchte Ostteil der Stadt wurde ausgespart. Nach dem Zeitfahren in Jerusalem gibt es bis Sonntag noch zwei Etappen entlang der Küste und durch die Wüste im Süden des Landes.

Immer wenn es bei der Organisation irgendwo schwierig wurde, war Adams da, um Türen zu öffnen. Es half dabei auch, dass er bereit war, mindestens zwölf Millionen Euro zur Finanzierung beizutragen. Darüber hinaus sicherte Adams zu, für ein mögliches Defizit aufzukommen.

Leisten kann sich der Milliardär dieses Vergnügen locker. Sein Vater Marcel hatte in Kanada das Immobilienunternehmen Iberville aufgebaut, das auf Shoppingmalls spezialisiert ist. Der Wert des Unternehmens wird auf derzeit 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Sohn ist mit seiner Auswanderung in jenes Land zurückgekehrt, in das sein inzwischen 97 Jahre alter Vater geflüchtet war.

Marcel Abramovich entstammt einer rumänischen Gerberfamilie und musste während der Nazizeit in Arbeitslagern schuften. 1944 konnte er flüchten und kam über die Türkei ins damalige Palästina. Er nahm 1948 am Unabhängigkeitskrieg teil und wanderte drei Jahre später nach Kanada aus. Die Unternehmensleitung übergab er seinem Sohn Sylvan, einem von vier Kindern. Dieser hat inzwischen wiederum an seinen Sohn Josh übergeben, als er mit seiner Frau Margaret von Montreal nach Tel Aviv zog. Die beiden lernten sich vor mehr als dreißig Jahren bei einem freiwilligen Arbeitseinsatz in einem Kibbuz kennen. Adams bezeichnet sich als Zionist.

In seiner neuen Heimat baute er mit der Israel Cycling Academy sein eigenes Profi-Radteam auf und gründete ein Institut für Sportwissenschaften. Aber Adams will alle Israelis begeistern, mehr Rad zu fahren, und gab der Stadt Tel Aviv Geld für den Ausbau der Radwege. Mehrere Millionen investierte er in den Bau des Velodroms in Tel Aviv, das erste im Osten. Im Herbst soll die Eröffnung stattfinden. Aus Dankbarkeit dafür, dass Adams Israel den Giro, das größte Sportereignis seiner Geschichte, beschert hat, soll die Rennbahn seinen Namen tragen - schon zu Lebzeiten.

© SZ vom 05.05.2018
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