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Profil:Shinjiro Koizumi

(Foto: Imago)

Der junge japanische Minister hat Starpotenzial.

Seinen wohl größten Publikumserfolg hatte der Parlamentarier Shinjiro Koizumi vor etwa vier Wochen bei einem Verlautbarungstermin vor der japanischen Staatskanzlei. Um Politik ging es dabei nicht, schon gar nicht um Umweltpolitik, die Koizumi künftig als neuer Ressortchef im Kabinett von Premierminister Shinzo Abe betreuen darf. Zusammen mit der Nachrichtensprecherin Christel Takigawa verkündete der 38-Jährige das Ende seiner Junggesellenzeit. Die Heirat sei beschlossen, ein Kind unterwegs. Es folgte eine sehr ausführliche Berichterstattung, die Koizumi als letzte Bestätigung deuten konnte: Ich bin wirklich wer in Japan.

Gut möglich, dass Shinzo Abe manchmal etwas neidisch auf Shinjiro Koizumi schaut, weil der so beredt, begehrt und unverbraucht ist. Ganz anders als er, der zwar seit sieben Jahren Wahl um Wahl gewinnt, aber mit seiner etwas tapsigen Art und erzkonservativen Haltung eher für die graue Seite der Politik steht. Shinjiro Koizumi ist die Zukunft, genauso wie sein Vater einst die Zukunft war, der extrovertierte, gewandte Junichiro Koizumi, der von 2001 bis 2006 regierte und seinerzeit einen halbwegs stabilen parteiinternen Frieden in die konservative LDP brachte.

Koizumi senior hat einst Abe gefördert. Jetzt fördert Abe den Junior, indem er ihn am Mittwoch bei seinem Kabinettsumbau berücksichtigt hat. Shinjiro Koizumi ist damit zu einem der jüngsten Minister der japanischen Geschichte aufgestiegen, was man in Japan aber sicher nicht ganz so sensationell findet wie die Verlobung mit der Fernsehfrau Takigawa. Denn dass Koizumi bei seinen Umfragewerten und seinem Stammbaum Karriere machen wird in der japanischen Politik, ist schon lange klar. Viele sehen in ihm den Premier der Zukunft.

Shinjiro Koizumi wirkt ziemlich souverän in der Rolle des leitenden Staatsjapaners. Auf Eigenständigkeit legt er Wert. "Ich mache es nicht wie mein Vater", sagt er. Innerhalb der LDP gehört er zu keiner der Fraktionen, welche die Partei immer noch spalten. Er hat auch Shinzo Abe schon widersprochen, weil er anders als dieser eine Verfassungsänderung zur Stärkung der japanischen Verteidigungskräfte für nicht so wichtig hält. "Die Menschen interessieren andere Dinge", hat er auf seinen Reisen durchs Land festgestellt. Bevölkerungsrückgang und alternde Gesellschaft sieht er als Japans härteste Herausforderungen. Zuwanderung ist für ihn ein Gebot, um den Arbeitskräftemangel zu beheben.

Aber im Grunde ist auch Shinjiro Koizumi nur ein weiterer sehr japanisch denkender Konservativer. Japan sieht er als prägende Kraft im Verhältnis Europa-Asien-Amerika. Lösungen für die Zukunft haben für ihn vor allem mit Hightech zu tun. Eine moralische Erneuerung, die Japan im eskalierten Streit mit dem einst besetzten Nachbarn Südkorea helfen könnte, scheint er nicht im Sinn zu haben. Und jetzt dient er erst einmal als gehorsamer LDP-Soldat, denn Abe hat ihn ja nicht zum Spaß ins männerdominierte Kabinett geholt. Koizumi soll Abes Politik sympathischer aussehen lassen. Das Umweltministerium selbst interessiert den Premier eher weniger.

Und Shinjiro Koizumi? Er ist Profipolitiker, vielfältig einsetzbar. Er hat an der Columbia-Universität in New York Politikwissenschaften studiert, sich früh als Wahlkämpfer bewährt und sitzt seit 2009 im Unterhaus. Nach dem Erdbeben samt Tsunami im Jahr 2011, das zur dreifachen Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima führte, wurde sein Vater zum Kernkraftgegner. Shinjiro nicht, auch wenn er sich sehr mit dem Wiederaufbau der Fukushima-Region befasst. Umweltaktivisten wissen nicht, was sie von ihm zu erwarten haben. "Trotzdem ist er vielleicht eine Chance", sagt Kimiko Hirata, Direktorin eines gemeinnützigen Umweltnetzwerks. Koizumis Popularität könnte das Interesse auf das Thema Klima- und Naturschutz lenken, das in Japan bisher wenig Aufmerksamkeit findet.

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