Profil Rojda Felat

Kommandeurin der Offensive gegen den IS in Raqqa und Bismarck-Fan.

Von Moritz Baumstieger

Auch die syrischen Kurden wissen, wie man starke Bilder schafft. Als ihre Soldaten am Sonntag die Offensive auf Raqqa ankündigten, waren die Männer nur Statisten. Die Nachricht überbrachten zwei Frauen in der Mitte der Gruppe, und eigentlich hätten sie dafür gar nicht viel sagen müssen: Während die Dschihadisten des Islamischen Staates Frauen teilweise nicht mal wie Menschen behandeln, so die Botschaft, kämpfen sie bei uns; auch deshalb ist unsere Moral stärker.

Eine der beiden Frauen war Rodja Felat. Sie sagte bei der improvisierten Pressekonferenz nichts, sondern blickte soldatisch streng geradeaus. Ihre Anwesenheit war aber mehr als nur geschickte Inszenierung: Felat steht 15 000 kurdischen Kämpfern als Kommandeurin vor und hat nun den Oberbefehl bei der Operation, mit der die Terrormiliz aus ihrer inoffiziellen Hauptstadt vertrieben werden soll. Dass die Frauen sich am Kampf um Kurdistan beteiligen hat Tradition: In der Türkei kämpfen sie seit den Siebzigerjahren in den Milizen der Arbeiterpartei PKK, die gemäß ihrer sozialistischen Ideologie radikal für die Emanzipation eintritt. Und als sich nach Ausbruch des Bürgerkrieges auch Syriens Kurden bewaffneten, bildeten sich dort ebenfalls weibliche Kampfverbände: Die Frauenverteidigungseinheiten umfassen mehr als 20 000 Kämpferinnen und stellen ein Drittel der kurdischen Truppen.

Rojda Felat hat ihr Leben vor drei Jahren in den Dienst ihres Volkes gestellt, das immer übergangen wurde, als im Nahen Osten Grenzen entstanden. Sie kämpft aber auch für ihr Geschlecht: "Mein Hauptziel ist, die kurdischen und syrischen Frauen von den Fesseln der traditionellen Gesellschaft und der Kontrolle zu befreien", sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews. Biografische Details der Kommandeurin sind nur schwer zu ermitteln: Laut einer kurdischen Nachrichtenseite wurde Felat vor 36 Jahren in al-Hasaka im Kurdengebiet im Norden Syriens geboren, Auskunft über ihre Ausbildung oder einen zivilen Beruf gibt sie keine.

Obwohl sich die eher klein gewachsene Felat als radikale Feministin bezeichnet, zählt sie drei Männer als ihre größten Vorbilder auf: Napoleon, Bismarck und Saladin, allesamt große Strategen. Erst dann nennt sie Arin Markin, eine kurdische Volksheldin, die sich in der umkämpften Stadt Kobanê lieber selbst tötete, als dem IS in die Hände zu fallen. Seit 2014 hat sich die Situation auf dem Schlachtfeld gewendet, nun sind es die Kurden, die auf die Hochburg der Dschihadisten vorrücken. "Ich finde es wichtig, dass gerade eine Frau den IS besiegt", sagt Felat. Neben der Symbolik dürfte ihr noch ein kleines Detail gefallen: Obwohl sich viele Dschihadisten nach nichts stärker sehnen als dem Märtyrertod, ziehen sie nur äußerst ungern gegen die Kurdinnen in die Schlacht. Wer von einer Frau getötet wird, kommt laut IS-Ideologie nicht ins Paradies - wo die Islamisten nach Felats Ansicht auch nichts zu suchen haben.