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Profil:Nitzan Horowitz

(Foto: Jack Guez/AFP)

Führt das linke Lager in Israel an.

Nach seiner Wahl sprach Nitzan Horowitz es selbst an: Er sei der erste bekennende Homosexuelle, der in Israel eine Partei führe. "Ich hoffe, dass das bald keiner besonderen Erwähnung mehr wert ist, sondern in allen Parteien möglich sein wird." Aber bisher hätten nur bei der linksliberalen Meretz Homosexuelle keine "Feigenblattfunktion", fügte er hinzu. Dies war ein Seitenhieb auf Justizminister Amir Ohana, den ersten Politiker im rechtsnationalen Likud, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hatte.

Horowitz hatte sich im Juni bei der Abstimmung unter den rund tausend Mitgliedern der Meretz-Partei knapp gegen die bisherige Vorsitzende Tamar Zandberg durchgesetzt. Das kam für viele überraschend, denn eigentlich war der 54-Jährige vor vier Jahren aus der Politik ausgestiegen und schrieb wieder Kolumnen in der Zeitung Haaretz. Er gewann die parteiinternen Vorwahlen mit seiner Forderung, Meretz müsse sich vor der Parlamentswahl im September 2019 mit anderen linken Parteien zu einer Wahlallianz verbünden. Denn bei der Wahl im April hatte Meretz die 3,25-Prozent-Hürde für den Einzug in die Knesset nur ganz knapp übersprungen.

Im Juli wurde dann ein Bündnis geschmiedet: Meretz ist Teil der Demokratischen Union, der auch die neue Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Ehud Barak und die bisherige Abgeordnete der Arbeitspartei, Stav Shaffir, angehören. Horowitz, der Spitzenkandidat des Bündnisses, sieht sich dieser Tage in seiner Partei mit Kritik konfrontiert. Ein Teil der Meretz-Anhänger befürchtet, dass das Profil der 1992 gegründeten Partei, die in der Knesset am weitesten links steht, in dieser Allianz verwaschen wird. Andere meinen, der eher zurückhaltend auftretende Horowitz könne sich gegen den Polit-Profi Barak und die lautstarke, bekannte Politikerin Shaffir nicht durchsetzen.

Horowitz versucht nun, mit einer Mischung aus jungenhaftem Charme und klaren Ansagen nicht nur bisherige Anhänger von Meretz hinter sich zu sammeln, sondern darüber hinaus Wähler zu gewinnen. Mit dem Thema soziale Gerechtigkeit will er punkten und hofft auf Stimmen junger Wähler, für die leistbare Wohnungen ein Thema sind. Als einzige Partei in Israel tritt Meretz lautstark für eine Zweistaatenlösung und Friedensverhandlungen mit den Palästinensern ein. Danach gefragt, warum die Linke in Israel so schwach ist und mit Ehud Barak zuletzt vor 18 Jahren einen Ministerpräsidenten stellte, antwortete Horowitz: Weil die Linke sich zu wenig als Alternative zu der von Benjamin Netanjahu geführten Rechtsregierung präsentiert hat. Meretz ist Mitglied der Sozialistischen Internationalen; zur SPD und zu den Grünen in Deutschland hat die Partei enge Verbindungen.

Bevor Horowitz 2009 in die Politik einstieg und sechs Jahre lang Abgeordneter war, machte der studierte Jurist als Journalist Karriere. Während seines Militärdienstes begann er für das Armeeradio zu arbeiten. Danach schrieb er 13 Jahre lang für die linksliberale Tageszeitung Haaretz und berichtete als Korrespondent aus Paris und Washington. Dann wechselte er zu Channel 10, wo er TV-Dokumentationen rund um den Globus drehte.

Während seiner Zeit in der Knesset wurde er vom israelischen Demokratie-Institut mit der Auszeichnung für "herausragende parlamentarische Arbeit" gewürdigt. Vor allem Umweltthemen, die in Israel keinen großen Stellenwert haben, waren ihm ein Anliegen.

Der passionierte Radfahrer lebt seit rund dreißig Jahren in Tel Aviv. 2013 versuchte Horowitz, Bürgermeister in dieser Stadt zu werden, unterlag aber dem populären Ron Huldai von der Arbeitspartei. In der Nähe des Rathauses hat Horowitz seine Wohnung, wo er mit seinem langjährigen Partner, dem Theaterregisseur Ido Ricklin, lebt. "Und wir haben einen Hund, um ein weiteres Klischee für Homosexuelle zu erfüllen", ergänzt er selbstironisch.

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