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Profil:Mehmet Scholl

EURO 2016 - Mehmet Scholl
(Foto: Maja Hitij/dpa)

Ehemaliger ARD-Experte und Fußballer, der nicht über Doping im Fußball reden mag.

Von Martin Schneider

Kurz nachdem Mehmet Scholl erklärt hatte, wie der Streit zwischen ihm und der ARD eskalieren konnte, moderierte er das Lied "Heaven Can Wait" an, ein Duett von Charlotte Gainsbourg und dem Sänger Beck. Wer nicht in Bayern wohnt, der weiß wahrscheinlich nicht, dass Mehmet Scholl auch Radiomoderator ist. Jeden ersten Sonntag im Monat ist er Teil der Sendung "Mehmets Schollplatten" im Bayerischen Rundfunk, und am vergangenen Sonntag fragte ihn sein Mit-Moderator Achim Bogdahn, was da los war während des Confederations Cup. Da hatte Scholl den Auftritt als Fußball-Experte in der ARD verweigert, kurz vor der Übertragung des Halbfinales Portugal gegen Chile verließ er das Studio. Thomas Hitzlsperger musste einspringen.

Also, es gebe eine Redaktion, erzählte Scholl und meinte damit den WDR, die würde grundsätzlich "mit negativen Storys" anfangen. An diesem Tag, so Scholls Ansicht, habe es aber keine negativen Themen gegeben. Die deutsche Nationalmannschaft sei ins Halbfinale des Confed Cup eingezogen, die U21 ins Finale der EM. Er habe sich außerdem auf das Spiel Portugal gegen Chile gefreut. Im Sendeplan stand aber zunächst ein Beitrag der ARD-Anti-Dopingredaktion. In diesem Bericht sagte der kanadische Ermittler Richard McLaren - nach dessen Untersuchungen zum Beispiel russische Leichtathleten wegen systematischen Dopings von Olympia ausgeschlossen wurden - dass es starke Hinweise auf ein Doping-Vertuschungssystem im russischen Fußball gebe und ein aktueller Nationalspieler Russlands betroffen sei.

Scholl nannte diesen Beitrag in seiner Radiosendung "fünf Jahre alte Doping-Enthüllung über russisches Doping". Er habe gesagt, er will, dass die Story draußen bleibt, die Redaktion sagte, die Story bleibt nicht draußen und er dürfe sich nicht ins Programm einmischen. Dann sei er gegangen. Scholl sagte auch noch, dass er Doping ganz schlimm finde, aber immer noch der Meinung sei, dass das Thema an diesem Tag keine Relevanz gehabt habe. Am Mittwoch sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky schließlich, es habe eine Aussprache gegeben, man möge Scholl mit seinen Ecken und Kanten, und er werde weiter Experte der ARD sein. Am Donnerstag folgte dann die Meldung, man werde sich trennen. Damit endet eine neunjährige Zusammenarbeit.

Scholl hat sich in dieser Zeit als ein Experte profiliert, der keine Angst vor polarisierenden Einschätzungen hatte. Am bekanntesten ist der Fall, als er Stürmer Mario Gomez mit den Worten "Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt" kritisierte. Auch zum Thema Doping hatte sich Scholl mal am ARD-Mikrofon geäußert. Als ihn vor zwei Jahren Moderator Reinhold Beckmann anlässlich von anderen Doping-Enthüllungen im Fußball nach seiner Einschätzung fragte, meinte Experte Scholl, Doping ergebe im Fußball keinen Sinn. Der Sport sei zu komplex dafür.

© SZ vom 11.08.2017
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