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Profil:Dominik Richter

(Foto: HelloFresh GmbH)

Essen ist sein Geschäft: Der Firmengründer profitiert von Corona.

Eine Firma zu gründen, diesen Wunsch hatte Dominik Richter schon, als er gerade mit der Schule fertig war. "Für mich war früh klar, dass ich unternehmerisch tätig sein will", sagt der 34-Jährige, der im Süden Münchens aufwuchs. Von den Eltern hat er den Unternehmergeist nicht vermittelt bekommen: Mutter und Vater waren Beamte.

Richter studierte an der privaten Wirtschaftshochschule WHU und an der London School of Economics. Während seiner Zeit dort gründete er zwei kleinere Start-ups, ohne großen Erfolg. Schließlich heuerte er als Investmentbanker bei Goldman Sachs an. Nach eineinhalb Jahren machte er sich selbständig und zog nach Berlin. Zusammen mit seinem Kommilitonen Thomas Griesel hatte er 2011 die Idee namens Hellofresh. Heute ist Hellofresh eine der erfolgreichsten deutschen Online-Firmen überhaupt, die Corona-Krise hat dem Geschäft unverhofft einen gewaltigen Schub gegeben. An der Börse ist die Firma jetzt fast 5,8 Milliarden Euro wert, mehr als Lufthansa oder Commerzbank.

Das wenig bescheidene Ziel von Richter war es 2011 gewesen, "die Art des Essens zu revolutionieren". Hellofresh bietet sogenannte Kochboxen an: Ins Haus geliefert werden die exakt abgemessenen Zutaten für ein Gericht samt Rezept, der Kunde kocht dann selbst. Rund 30 Minuten soll die Zubereitung dauern, angeboten werden etwa 20 wöchentlich wechselnde Gerichte. Es können Abos für eine unterschiedliche Zahl von Tagen und Personen abgeschlossen werden.

Seit wegen der Corona-Krise die Restaurants geschlossen sind und die Menschen zu Hause bleiben sollen, boomt das Geschäft. "Wir hatten einen sehr starken Start ins Jahr", sagt Richter. Allein von Januar bis März gewann Hellofresh eine Million neue Kunden, jetzt sind es weltweit 4,2 Millionen, verteilt über 13 Länder. Vor allem in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Markt, zogen die Bestellungen an. Für 2020 wird nun mit einem Umsatz von deutlich mehr als zwei Milliarden Euro und erstmals mit Gewinn gerechnet.

Richter ist zuversichtlich, dass die Entwicklung so weitergeht, wenn die Restaurants wieder geöffnet haben. Der typische Hellofresh-Kunde lebt in der Stadt und will nun selbst kochen, statt Pizza und Fastfood zu bestellen oder Tiefkühlkost in der Mikrowelle warm zu machen. Er will aber auch nicht in den Supermarkt gehen und selbst überlegen, was auf den Tisch kommt. Erfolgreich ist Hellofresh vor allem in den USA oder Großbritannien. "Die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren, ist in den angelsächsischen Märkten sicher größer", sagt Richter. In Ländern wie Spanien oder Italien, wo man gerne und viel selbst kocht, sind die Berliner gar nicht aktiv. In USA gibt es mehr als 2,6 Millionen Kunden, in Deutschland ist das Geschäft schwieriger. Lidl etwa ist mit einem Kochboxen-Angebot gescheitert.

Rund 6000 Mitarbeiter hat Richter inzwischen, davon 750 in der Firmenzentrale im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Weltweit arbeitet Hellofresh mit etwa 2000 Lieferanten zusammen, die Abläufe sind weitgehend digitalisiert. Anfangs steckte Richter viel Geld in die Marke und ihre Bekanntheit. Im Jahr 2017 ging die Firma dann an die Börse, zwei Jahre dümpelte der Kurs vor sich hin, es passierte wenig, doch jetzt geht es aufwärts. Während die Börsen in der Corona-Krise nach unten gingen, stieg die Aktie von Hellofresh seit Jahresbeginn um 80 Prozent.

Dominik Richter gibt sich trotz des gewaltigen Erfolgs zurückhaltend: "Dass die Aktie so gestiegen ist, ist nichts, was uns zu Kopf steigt", sagt er. Der Gründer ist Vorstandsvorsitzender und hält noch gut zehn Prozent der Aktien. Zusammen mit Partner Griesel gibt er die Strategie vor, aber im Mittelpunkt steht er nicht gern. Fast wirkt er ein wenig schüchtern im persönlichen Gespräch, über Privates berichtet er nur zögerlich. Immerhin erzählt er, dass er selbst, so oft es geht, zu Hause kocht. Sein Hellofresh-Lieblingsgericht ist Chili con Carne.

© SZ vom 07.05.2020

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