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Kanadas Außenministerin:Chrystia Freeland

Kanadische Außenministerin Chrystia Freeland

Kanadas energische Außenministerin Chrystia Freeland ist ein Feindbild für Saudi-Arabien.

(Foto: dpa)

Im Streit mit Saudi-Arabien zeigt Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland keine Furcht. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich mit einem mächtigen Gegner anlegt.

Chrystia Freeland hat keine Angst vor mächtigen Gegnern. 2014 wurde sie als einzige kanadische Abgeordnete auf die Sanktionsliste des Kreml gesetzt und darf nicht mehr nach Russland reisen. Freeland, die als Moskau-Korrespondentin der Financial Times Wladimir Putin interviewt hatte, kommentierte dies so: "Es ist eine Ehre, auf dieser Liste zu stehen."

Ihre Kritik am Autokraten Putin hat seither nicht nachgelassen. Nun hat die heutige Außenministerin einen weiteren Feind: das Königreich Saudi-Arabien. Sie sei "sehr beunruhigt" darüber, dass die Aktivistin Samar Badawi verhaftet worden sei, twitterte Freeland am Donnerstag. Kanada stehe an der Seite der Badawi-Familie und fordere erneut die Freilassung von Samar und ihrem seit 2012 inhaftierten Bruder Raif.

Als Antwort auf Freelands Tweet wies Riad den kanadischen Botschafter aus. Sollte die Kritik andauern, sei dies die "Erlaubnis", sich in Kanadas Innenpolitik einzumischen. Über eine Sprecherin gab Freeland bekannt, den Kontakt zu den Saudi-Arabern zu suchen - und betonte, dass sich Kanada "immer in aller Welt für den Schutz von Menschenrechten, inklusive der Rechte von Frauen, und die Meinungsfreiheit einsetzen werde."

Diese Reaktion passt zu einer Frau, die stets als "unbeirrbar" beschrieben wird. Wenn die Mutter dreier Kinder nicht um die Welt jettet, sondern in der Hauptstadt Ottawa arbeitet, dann radelt sie auch im kalten kanadischen Winter ins Außenministerium. Die 50-Jährige unterstützt seit Langem den Blogger Raif Badawi, der wegen "Blasphemie" zu zehn Jahren Haft und tausend Peitschenhieben verurteilt wurde. Dessen Frau Ensaf Haidar lebt mittlerweile in Québec und erhielt kürzlich den kanadischen Pass. Dass Freeland konsequent das Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt, liegt auch an ihrer früheren Karriere als Journalistin.

Nach einem Slawistik-Studium in Harvard und Oxford zog sie Anfang der Neunzigerjahre nach Kiew, um den postsowjetischen Raubritter-Kapitalismus zu beobachten und die Korrespondenten von Washington Post und Economist zu unterstützen - die entsprechenden Sprachkenntnisse besaß die Tochter ukrainischer Einwanderer ebenso wie den nötigen Ehrgeiz. 1999 kehrte Freeland nach Kanada zurück: als stellvertretende Chefredakteurin der Tageszeitung Globe and Mail. Die bestens vernetzte Freeland beobachtete lange die "Davos-Klasse", also jene Manager globaler Konzerne, die dauernd um die Welt jetten, und schrieb 2012 das Sachbuch "Plutocrats" über diese neue globale Elite. Wer sie damals treffen wollte, erhielt als Antwort: "Gern, aber wir müssen das Interview im Gehen machen, auf dem Weg vom Büro ins TV-Studio." Ihr Tempo war enorm - und die Antworten waren selbstironisch und pointiert.

Bei einer ihrer Lesungen saß Justin Trudeau im Publikum und überredete Freeland, in Toronto für die Liberalen anzutreten. Nach Trudeaus Sensationssieg im Herbst 2015 brachte Freeland als Außenhandelsministerin mit viel Geschick das Freihandelsabkommen Ceta mit der EU zum Abschluss. Ihren Aufstieg zur Chefdiplomatin verdankt sie Donald Trump: Sie soll verhindern, dass der US-Präsident den Freihandelspakt Nafta aufkündigt. Die Aufgabe ist riesig: Die USA sind Kanadas wichtigster Handelspartner, die Zölle auf Stahl und Aluminium treffen das Land hart. Also hält sie engen Kontakt zum Nafta-Partner Mexiko und wirbt überall für internationale Kooperation.

Dass sich Frauen besser vernetzen sollen, davon ist Freeland fest überzeugt. Für Ende September organisiert sie mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini ein Treffen aller Außenministerinnen. Und sie ist stolz auf ihre Überzeugungen: Als Angela Merkel 2017 Ivanka Trump in Berlin empfing, saß auch Freeland auf dem Podium. Als die Moderatorin fragte, wer sich als Feministin bezeichne, schnellte die Hand von Chrystia Freeland sofort nach oben.

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