Profil:Bora Dagtekin

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Profil: Bora Dagtekin.

Bora Dagtekin.

(Foto: Robert Haas)

Der Regisseur hat einen Sinn für Kassenschlager.

Von Susan Vahabzadeh

Wenn an diesem Freitagabend die Deutschen Filmpreise verliehen werden, wird das meiste eine Überraschung sein - aber wer die Lola für den besucherstärksten Film bekommt, ist natürlich schon vorher bekannt, denn bei diesem Preis geht es ja nicht um Beurteilungen, sondern um harte Zahlen. Als die Kinos in Deutschland geschlossen wurden, stand der Sieger schon lange fest. "Das perfekte Geheimnis", inszeniert von Bora Dagtekin, hat sich mit mehr als fünf Millionen Kinozuschauern den Spitzenplatz gesichert. Den Preis bekommt Dagtekin mit seiner Produzentin Lena Schömann.

Über den Dächern von München lädt in "Das perfekte Geheimnis" ein Paar, gespielt von Jessica Schwarz und Wotan Wilke Möhring, fünf Freunde zum Abendmahl. Das Essen taugt nicht viel, aber weil alle am Tisch glauben, einander zu kennen, lassen sie sich auf den Vorschlag ein, die anderen in ihre Mobiltelefone hineinsehen und -hören zu lassen. Dabei finden sie dann heraus, dass man sich bestenfalls selbst ganz gut kennt. "Perfetti Sconosciuti" heißt das Original von "Das perfekte Geheimnis", der Italiener Paolo Genovese hatte damit einen riesigen Erfolg - als sein Film 2016 ins Kino kam, war er allerdings nur der zweiterfolgreichste italienische Film des Jahres.

Dagtekin, 1978 in Hannover geboren, hat das Drehbuchschreiben an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert, und seinen ersten Erfolg hatte er dann auch als Autor, mit der Fernsehserie "Türkisch für Anfänger", die von 2006 an in drei Staffeln in der ARD lief. Die Hauptrolle spielt Elyas M'Barek, der Dagtekin ein klein wenig ähnlich sieht. Dagtekin spezialisierte sich schon damals aufs komische Fach, konzipierte und schrieb mehrere Fernsehserien, bis er 2012 seinen ersten eigenen Kinofilm aus "Türkisch für Anfänger" strickte. Elyas M'Barek wurde damit zu einem der größten deutschen Stars, und auch Dagtekin katapultierte sein Regiedebüt zu ungeahntem Ruhm.

Dagtekins nächste Idee funktionierte dann noch ein bisschen besser. Dagtekin stammt aus einer Lehrerfamilie, und die Erfahrung ließ er in "Fack ju Göhte" einfließen. Er dachte sich den Ex-Bankräuber Zeki aus, wieder eine Rolle, die Elyas M'Barek auf den Leib geschrieben war: Nach seiner Entlassung aus dem Knast landet er in einer Schule, in der er eigentlich nur seine letzte Beute suchen wollte. Durch eine Verwechslung steht er dann plötzlich vor einer Klasse und entpuppt sich als Retter angehender gescheiterter Existenzen. Meistens sind Karrieren, die so steil losgehen, schnell zu Ende - aber Dagtekin erwies sich als echter Profi. Er scheint eine gute Beobachtungsgabe, viel Disziplin und ein ziemlich untrügliches Gespür für die Humorvorlieben des deutschen Publikums zu haben, aber für den Fall, dass er doch mal danebenliegt, lässt er seine Gags testen, bevor sie im fertigen Film landen.

So kam es dann dazu, dass die Lola für den besucherstärksten Film seit ihrer Einführung 2014, als er sie für "Fack ju Göhte" bekam, fast zu einer eigenen Kategorie für Dagtekin wurde. Er hat sie jedes Mal gewonnen, wenn er einen Film gemacht hat. Dem ersten "Fack ju Göhte" folgten noch ein zweiter und ein dritter Teil, jeweils die Publikumslieblinge des Jahres, bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2020 erhält er die Auszeichnung also zum vierten Mal.

Die Blitzlichtgewitter überlässt Dagtetin Elyas M'Barek, obwohl ihr Erfolg so fest miteinander verknüpft ist. Auch in "Das perfekte Geheimnis" ist M'Barek an Bord, er spielt einen der Gäste, sein Image hat Dagtekin diesmal ein wenig gegen den Strich gebürstet. Aber er ist nicht der Einzige, der zu Dagtekins festem Team gehört - Karoline Herfurth, die Zekis Traumfrau in "Fack ju Göhte" spielte, ist ebenfalls auf der Dinnerparty im Dachgeschoss, und die Produzentin Lena Schömann ist seit Dagtekins Kinoanfängen immer dabei. So viel Treue spricht eigentlich für sich.

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