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Präsidentschaftswahl in Simbabwe:Das Krokodil gibt sich zahm

  • In Simbabwe findet die erste Präsidentschaftswahl nach der Ära Mugabe statt.
  • Zur Wahl stehen der 75-jährige Emmerson Mnangagwa, ein früherer Vertrauter von Ex-Präsident Robert Mugabe, und Nelson Chamisa, ein 40-jähriger Anwalt und Pastor.
  • Umfragen sehen eine knappe Führung für Mnangagwa. Sollte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, findet am 8. September eine Stichwahl statt.

In den vergangenen Wochen hat Phidas Ndlovu oft Besuch bekommen in seinem kleinen Dorf mit dem schönen Namen Plumtree, ganz im Süden von Simbabwe. Die Besucher wollten Ndlovu kennenlernen, sehen, wie er aussieht, der mit 140 Jahren älteste Mensch der Welt. Ndlovu war der ganze Rummel etwas unangenehm, für Fotos wollte er nicht posieren, auch sonst hatte er wenig Interesse an dem plötzlichen Ruhm. "Mein Geburtsdatum wurde falsch in das Wählerregister eingetragen", sagte Ndlovu, er sei in Wahrheit erst 40 Jahre alt.

Vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Simbabwe an diesem Montag ist der Fall von Ndlovu für die Opposition und Wahlbeobachter ein Beispiel von Tausenden Karteileichen, Doppelgängern und fingierten Einträgen, mit denen die Regierung versuche, die Wahl zu manipulieren. Von bis zu 900 000 falschen Personen im Wahlregister sprechen Nichtregierungsorganisationen. Die Regierung hingegen von der fairsten und freiesten Wahl in der Geschichte Simbabwes.

Es ist zumindest die erste ohne Robert Mugabe. Der hatte das Land in die Unabhängigkeit geführt und 37 Jahre lang regiert - zuletzt hatte er die einstige Brotkammer Afrikas zugrunde gerichtet, die weißen Farmer vertrieben und die Landwirtschaft ruiniert, hatte das Land mit seiner Frau Grace und seiner Clique derart ausgeplündert, dass fast nichts mehr übrig war. Als er Grace zu seiner Nachfolgerin machen wollte, putschte das Militär ihn im November 2017 aus dem Amt.

Politik in Simbabwe Das Krokodil ist zurück
Simbabwe

Das Krokodil ist zurück

Simbabwes neuer Präsident Mnangagwa verspricht bei seiner Vereidigung Demokratie und die Bekämpfung von Korruption. Doch auf den zweiten Blick ist er kein Hoffnungsträger.   Von Bernd Dörries

Architekt des Staatsstreiches war Emmerson Mnangagwa, 75, der nun als Favorit in die Abstimmung geht. Er hat eine erstaunliche Wendung hinter sich, 37 Jahre lang war er der Mann, der für Mugabe die Drecksarbeit erledigte. In den frühen Achtzigerjahren, als Mnangagwa gerade Sicherheitsminister war, ließ Mugabe 10 000 Menschen im Matabeleland ermorden, die einer anderen Widerstandsbewegung gegen das weiße Regime angehört hatten. Im Jahr 2008, als Mugabe den ersten Wahlgang verloren hatte, ließ Mnangagwa die Opposition brutal niederschlagen. "Das Krokodil" nennen sie ihn in Simbabwe.

Mnangagwa hat dem alten Regime nur einen neuen Anstrich verpasst

Jetzt gibt sich das Krokodil als lupenreiner Demokrat. Für die Massaker, Gräueltaten und die Politik seiner Regierungspartei Zanu-PF hat er sich nie entschuldigt, ein paar Köpfe wurden ausgetauscht, mehr aber auch nicht. Man wolle nach vorne schauen, antwortet Mnangagwa auf kritische Nachfragen. "Open for Business" lautet seine Einladung an internationale Investoren, die nun auch wieder mehr Interesse an dem Land und seinen reichen Bodenschätzen zeigen. Wenige Tage vor der Wahl wurde mit der Erschließung einer neuen Platinmine begonnen, mit Investitionen von fast vier Milliarden Euro.

Mnangagwa hat im Wahlkampf weniger Korruption und mehr Arbeitsplätze versprochen, in einem Land, in dem nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung ein formales Arbeitsverhältnis haben, das aber unendlich reich sein könnte: Simbabwe verfügt über die zweitgrößten Platinreserven der Welt. Die Milliarden flossen in den vergangenen Jahren in die Taschen von Mugabe und der Zanu-PF, Mnangagwa hat eine Amnestie ausgerufen für jene, die Gelder unrechtmäßig ins Ausland gebracht hatten, nur 250 Millionen Dollar kamen zurück. Mnangagwa selbst hat nie offengelegt, wie es um seine eigenen Reichtümer steht: Er besitzt eine 16 000 Hektar-Farm und soll an verschiedenen Firmen beteiligt sein. Er hat dem alten Regime lediglich einen neuen Anstrich verpasst.

Überall in der Hauptstadt Harare hängen die Plakate mit seinem Gesicht, manchmal steht ein Slogan dabei: "Die Stimme des Volkes ist die Stimme von Gott." Die Plakate sind so groß, dass auch er Gott sein könnte. Ganz so frei wie von ihm behauptet ist der Wahlkampf bisher nicht verlaufen. Die staatlichen Medien berichten kaum über die Opposition, die Vereinten Nationen sprechen von "Wählereinschüchterung". Die Regierung scheint nervös zu werden, in der bisher einzigen Meinungsumfrage liegt Mnangagwa mit 40 Prozent nur drei Prozentpunkte vor Nelson Chamisa, 40, dem Kandidaten der größten Oppositionspartei MDC. Ob die Umfrage tatsächlich der Stimmung in der Bevölkerung entspricht, ist schwer zu sagen. Zumindest könnte aber eine Stichwahl notwendig werden, wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht.

Für die Opposition kam die Wahl zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Im Februar war Morgan Tsvangirai an Krebs verstorben, der jahrzehntelang der große Gegenspieler Mugabes war; nur durch Wahlfälschung und Gewalt war er von der Macht ferngehalten worden. Nachfolger Chamisa hat es bisher nicht geschafft, die zersplitterte Opposition zu einen. In den Städten liegt seine MDC weit vorne, auf dem Land führt die Zanu-PF. Dort regiert weiter die Angst, die lokalen Chiefs, die traditionellen Führer, bekommen Geld und Geländewagen von der Regierung, im Gegenzug treiben sie die Stimmen ein. In den vergangenen Jahren hat die Regierung vor Wahlen regelmäßig Dörfer abgebrannt und Menschen zu den Wahllokalen geprügelt, allein die Drohung, dass es wieder so kommen könnte, reicht aus, um der Regierung zu ausreichend Stimmen zu verhelfen.

Der Diaspora, jenen etwa vier Millionen Simbabwern, die in den vergangenen Jahren ins Ausland geflüchtet sind, erlaubt Mnangagwa nicht, aus der Ferne an der Wahl teilzunehmen, wie es in vielen Ländern üblich ist. Denn dann hätte er die Wahl wohl verloren, geflohen sind nämlich die Unzufriedenen, die nun in Südafrika als Taxifahrer arbeiten und in der Gastronomie. Und für die es egal ist, ob Mnangagwa regiert oder Mugabe.

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