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Präsidentschaftswahl in Polen:Katholisch, konservativ - und pro-europäisch

Heute entscheiden die Polen über ihren neuen Präsidenten. Zur Wahl stellt sich Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski, der geschickt den Spagat zwischen Tradition und Moderne versucht.

T. Urban, Warschau

Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski wurde Ende März von der regierenden Bürgerplattform (PO) nominiert. Zuvor hatte Premierminister Donald Tusk auf seine Kandidatur verzichtet, weil er nach internen Analysen gegen den Amtsinhaber Lech Kaczynski verlieren könnte. Dagegen lag der 58-jährige Komorowski in allen Umfragen mit riesigem Vorsprung vor Kaczynski. Auch hatte er die überwältigende Mehrheit der PO-Mitglieder hinter sich. Denn in einer internen PO-Vorwahl deklassierte er Außenminister Radoslaw Sikorski mit zwei Drittel der Stimmen, es war die erste Mitgliederbefragung in der Geschichte der polnischen Demokratie.

Bronislaw Komorowski

Der polnische Präsidentschaftskandidat Bronislaw Komorowski während einer Wahlveranstaltung: Mit seinem Kontrahenten Lech Kaczynski hat er sich wegen der Kontroverse um Polens Platz in Europa.

(Foto: ap)

Allerdings änderte sich mit dem Tod Lech Kaczynskis beim Absturz der polnischen Regierungsmaschine unweit der russischen Stadt Smolensk am 10. April die politische Stimmung im Lande. Zwar wurde Komorowski nun selbst geschäftsführendes Staatsoberhaupt, so will es die Verfassung: Wenn der Staatspräsident sein Amt nicht mehr ausüben kann, rückt der Parlamentspräsident bis zur Wahl eines neuen Staatschefs an seine Stelle.

Konservativer Katholik

Doch die nationale Trauer, die einen Großteil der Gesellschaft erfasste, brachte die PO um Tusk in die Defensive. Die Umfragewerte für den bei öffentlichen Auftritten hölzern wirkenden PO-Kandidaten Komorowski verringerten sich von Woche zu Woche, obwohl sich Prominente wie die ehemaligen Präsidenten Lech Walesa und Aleksander Kwasniewski sowie Oscar-Preisträger Andrzej Wajda für ihn aussprachen. Dafür stieg die Sympathiekurve für Oppositions-führer Jarioslaw Kaczynski, den Zwillingsbruder des verunglückten Präsidenten, deutlich an. Komorowski und Kaczynski kennen sich seit dreieinhalb Jahrzehnten, sie duzen sich privat. Sie waren in der Demokratiebewegung um die Gewerkschaft Solidarität aktiv. Als die kommunistische Führung Ende 1981 die Solidarnosc mit der Verhängung des Kriegsrechts zerschlagen wollte, gehörten Komorowski und Lech Kaczynski zu den Internierten.

Nach der Wende von 1989 trennten sich indes ihre politischen Wege: Zwar vertritt Komorowski ebenfalls konservative Werte, auch ist er praktizierender Katholik. Doch möchte er den direkten Einfluss der Kirche auf die Politik begrenzen. In einem konkreten Punkt stellt er sich sogar gegen die offizielle Kirchenlehre: Er spricht sich dafür aus, künstliche Befruchtung im Reagenzglas nicht nur zuzulassen, sondern die Kosten auch den Krankenkassen aufzubürden. Mit den Kaczynski-Zwillingen überworfen hat er sich in der Kontroverse um Polens Platz in Europa: Er ist als Historiker zu der Erkenntnis gelangt, dass Polen sich an die westlichen Demokratien anlehnen muss. Nur die Integration in Europäische Union und Nato könne dem Land seine Souveränität sichern. Die Zwillinge waren zwar für den Nato-Beitritt, aber zunächst Europaskeptiker.

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