Präsidentschaftswahl in Frankreich Premier drängt Hollande zu Verzicht auf zweite Präsidentschaft

Premier Valls (rechts) sieht wenig Chancen, dass Präsident Hollande wiedergewählt wird.

(Foto: REUTERS)
  • Frankreichs Premier Manuel Valls fordert Präsident François Hollande auf, sich nicht für eine zweite Amtszeit zu bewerben.
  • Eine eigene Kandidatur schließt Valls nicht aus.
  • Die Konservativen bestimmen in einer Stichwahl zwischen François Fillon und Alain Juppé schon jetzt ihren Kandidaten.

Knapp ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich macht Premierminister Manuel Valls Druck auf den unpopulären Amtsinhaber François Hollande, nicht mehr für eine zweite Amtszeit anzutreten. In einem Interview mit der Wochenzeitung Le Journal du Dimanche schloss Valls seine eigene Bewerbung bei der Vorwahl der Sozialisten nicht mehr aus, auch wenn Hollande ebenfalls kandidieren sollte. Die Entscheidung werde schon bald fallen, kündigte Valls an.

"Angesichts der Verunsicherung, des Zweifels, der Enttäuschung, der Vorstellung, dass die Linke keine Chance hat, will ich diesen Mechanismus durchbrechen, der uns in die Niederlage führen wird", sagte Valls. Er respektiere Hollande und sei ihm gegenüber loyal, doch schließe dies "Offenheit" nicht aus, führte der Premier weiter aus. "Man kann nicht umhin festzustellen, dass sich der Kontext in den letzten Wochen geändert hat".

Hollande hatte sich abfällig über Gegner und Parteifreunde geäußert

Valls bezog sich mit der Aussage auf ein Buch zweier Journalisten, demzufolge sich der Präsident oftmals abfällig über politische Gegner und Parteifreunde geäußert hat.

Das Buch habe bei der Linken für "tiefe Verunsicherung" gesorgt, sagte Valls dem Journal du Dimanche und fügte hinzu, "als Chef der Mehrheit gehört es zu meiner Verantwortung, diesem Klima Rechnung zu tragen". Die Kandidatenwahl der Sozialisten im Januar müsse der Partei neuen "Elan und Hoffnung" geben. Hollande will erst im Dezember bekanntgeben, ob er im Frühjahr 2017 für eine zweite Amtszeit kandidiert. Umfragen sagen ihm so gut wie keine Chancen auf eine Wiederwahl voraus.

Konservative entscheiden zwischen den Kandidaten Fillon und Juppé

Die Anhänger der Konservativen entscheiden hingegen schon am heutigen Sonntag, wen sie ins Rennen für die Präsidentenwahl 2017 schicken. In einer Stichwahl treten die beiden früheren Premierminister François Fillon (62) und Alain Juppé (71) an. Fillon gilt in Umfragen als klarer Favorit, er könnte bis zu 65 Prozent der Stimmen erhalten. Die Wahllokale werden um 19.00 Uhr schließen.

Die Vorwahl der Konservativen ist für Überraschungen gut. In der ersten Runde war Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy nur auf dem dritten Platz gelandet und ausgeschieden. Viele hatten damit gerechnet, dass sich Juppé und Sarkozy für die Stichwahl qualifizieren würden. Fillon galt lange als chancenlos.

Unter dem damaligen Präsidenten Sarkozy war Fillon von 2007 bis 2012 Regierungschef. Er setzt in seienm Wahlkampf auf einschneidende Reformen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik und will das Verhältnis zu Russland verbessern. Kremlchef Wladimir Putin kennt Fillon persönlich.

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