Polizei:Dringendes Bedürfnis

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Polizei: Wohin, wenn beim Großeinsatz die Blase drückt? Für viele Polizistinnen und Polizisten ein Problem.

Wohin, wenn beim Großeinsatz die Blase drückt? Für viele Polizistinnen und Polizisten ein Problem.

(Foto: Martin Schutt/dpa)

Die Gewerkschaft der Polizei will ein Tabuthema abräumen.

Von Benedikt Peters

Polizistinnen und Polizisten hatten es in letzter Zeit wirklich nicht leicht. Sie mussten sich mit Rechtsextremismus-Skandalen in den eigenen Reihen herumschlagen und mit Querdenkern, die trotz Versammlungsverbots durch die Straßen marschierten. Eine andere Sorge der Ordnungshüter blieb aber bis jetzt völlig unterbelichtet: Manch einer fragt sich, ob er bei der nächsten Demo endlich mal in Ruhe aufs Klo gehen kann.

In der neuesten Nummer der Deutschen Polizei ist das nachzulesen, so heißt das Magazin der Polizeigewerkschaft GdP. Auf Seite 9 findet sich ein Interview mit einer Beamtin vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern, die mit einem Protestvideo eine gewisse Bekanntheit erlangte. Damit alle gleich verstehen, worum es geht, sitzt sie auf einer Toilette. Das "stille Örtchen" sei "super einsatzrelevant", sagt sie: Auf Demonstrationen seien die Kollegen oft acht Stunden im Einsatz, und natürlich drücke dann auch mal die Blase. "Wer muss, der muss, und dann muss es irgendwo passieren. Nur wo?"

Das Thema kochte 2010 schon einmal hoch. Passiert ist seitdem wenig

Die Geschichte von den Polizisten und dem Toilettenproblem gibt es schon seit einigen Jahren, spätestens seit 2010. Damals schuf der Kunststudent Marcel Walldorf eine Plastik namens Petra, besser bekannt als die "pinkelnde Petra". Sie zeigt eine Polizistin in voller Montur, die sich mit heruntergelassener Hose auf die Straße hockt.

Walldorf gewann dafür einen kleinen Kunstpreis, eine Boulevardzeitung rief an, und schon war das Skandälchen da. Der sächsische Innenminister sprach von einer "Beleidigung", die Gewerkschaft GdP sah gar "die Kunstfreiheit überschritten". Der Künstler aber ließ sich davon nicht beeindrucken. Er sagte lediglich, die Idee sei ihm gekommen, als er gesehen habe, wie bei einer Demo Polizisten ins Gebüsch urinierten.

Passiert ist seitdem nicht viel, darauf deutet zumindest das hin, was die LKA-Beamtin im Interview mit dem Gewerkschaftsmagazin sagt. Es sei "total beschämend und menschenunwürdig, wenn die Kolleginnen und Kollegen einen Schutzkreis um einen bilden und man sich in deren Mitte mal eben schnell abhocken muss". Manche Polizisten hätten sogar schon eine Anzeige kassiert, nachdem sie sich in aller Öffentlichkeit erleichtert hätten. Wiederum andere tränken ganz bewusst sehr wenig während der Einsätze oder nähmen Tabletten, um den Harndrang zu unterdrücken.

Nun aber soll alles anders werden. Die Frauen in der Polizeigewerkschaft wollen auf dem nächsten Bundeskongress einen Antrag zur "Schaffung von mobilen dezentralen Entsorgungsmöglichkeiten im Einsatz" einbringen. Übersetzt heißt das, die Bundespolizei solle bitte endlich mehr Toilettenwagen anschaffen, die dann auf Demonstrationen überall im Land zum Einsatz kommen könnten. Im Bundesinnenministerium, das für die Ausstattung der Bundespolizei zuständig ist, könnten die Antragsteller Gehör finden. Die Bundespolizei verfüge ja schon über einen "Toilettenkraftwagen als Musterfahrzeug", teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. "Die Anschaffung weiterer Toilettenkraftwagen ist unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus dem Einsatz beabsichtigt."

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