bedeckt München 20°

Podemos:Wahl in Spanien - Iglesias ist der große Verlierer

  • Die Konservativen werden bei der Parlamentswahl in Spanien stärkste Kraft, müssen sich aber einen Koalitionspartner suchen.
  • Dafür in Frage kommen die Sozialisten, die noch vor dem linksalternativen Wahlblock Unidos Podemos landen.
  • Podemos-Anführer Iglesias fühlt sich zunächst schon als Sieger, doch die Meinungsforscher liegen völlig daneben.

Spanien hat eine selten aufregende Wahlnacht hinter sich. Sie begann mit dem Auftritt des Spitzenkandidaten des linksalternativen Wahlblocks Unidos Podemos ("Vereint schaffen wir es"), des rhetorisch gewandten Politologen Pablo Iglesias. Der Neomarxist mit dem Pferdeschwanz gab sich siegesgewiss: Die letzten Umfragen und die Wahlnachfragen sahen eine Mehrheit für die links orientierten Gruppierungen - und ihn selbst als Führer des linken Lagers, da Podemos die traditionsreiche Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) überrunden würde.

Somit würde er den Anspruch auf das Amt des Premierministers erheben können - und um die Ernsthaftigkeit seines Anspruchs zu unterstreichen, trat er, was noch vor Kurzem völlig undenkbar schien, mit Krawatte auf.

Doch dann kam alles ganz anders. Die vorgezogene Neuwahl am letzten Sonntag vor den Sommerferien wurde kein Fest der Linken. Die Meinungsforscher hatten so sehr wie nie zuvor danebengelegen: Weder ist eine linke Mehrheit im Parlament zustande gekommen, noch ist Podemos zur Nummer eins im linken Lager aufgestiegen. Vielmehr ist der Aufstieg der Gruppierung gestoppt: Podemos hat sich gegenüber der Wahl vom Dezember 2015 nicht verbessert. Darauf aber hatte Iglesias gesetzt.

Neben den Meinungsforschern ist er also der große Verlierer dieser Wahl, die erforderlich wurde, weil die großen Fraktionen sich monatelang nicht auf eine Koalition hatten einigen können.

Besonders bitter für die Linken: Wahlsieger wurde wieder der konservative Premierminister Mariano Rajoy. Obwohl ihn alle anderen Spitzenkandidaten im Wahlkampf auf das Schärfste angegriffen haben, konnte die von ihm geführte Volkspartei (PP) zulegen. Ihm wurde zur Last gelegt, vor der Korruption in den eigenen Reihen die Augen verschlossen zu haben.

So spricht also viel dafür, dass die PP auch der nächsten Regierung angehört, möglicherweise aber ohne Rajoy. Denn die möglichen Koalitionspartner, die liberalen Ciudadanos (Bürger) sowie die Sozialisten, haben sich darauf festgelegt, ihn keinesfalls im Amt zu bestätigen.