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Piraten auf dem Weg Richtung Bundestag:Schluss mit Peinlichkeiten, jetzt wird gearbeitet

Die Piraten sehen ihre Chancen schwinden und tun, was keiner von ihnen erwartet hätte: Sie reißen sich zusammen. Auf ihrem Parteitag in Bochum bemühen sie sich um Professionalität. Der Druck, ein vollständiges Wahlprogramm zu schaffen, kann der Partei gefährlich werden - sie droht ihre anarchistisch anmutende Leichtigkeit zu verlieren.

Die Männer, die an diesem Sonntag in einer Reihe vor einer Horde von Journalisten sitzen, blinzeln ins Blitzlicht der vielen Kameras, die auf sie gerichtet sind. Ihre Gesichtszüge sind kontrolliert. Sie sagen Dinge wie: "Wir haben gezeigt: Die Piratenpartei ist in der Lage, sich in wichtigen Bereichen ein Programm zu geben." Und: Es gelte in den kommenden Monaten, "eine konstruktive Diskussionskultur zu pflegen".

Die, die dort so reden, immer schön höflich einer nach dem anderen, sind die Chefs einer Partei, die den einen als frische und freche Kraft gilt - und den anderen als Chaoshaufen. Die auf unkonventionelle Art das bestehende politische System in Frage stellt. Ohne Ahnung, ohne großartigen Plan, aber immer irgendwie sympathisch. Ihre Unverbrauchtheit, die Neigung zu Fettnäpfchen und die kopflose Art, Skandale zu regeln haben ihr viel Aufmerksamkeit gebracht, sowohl im Guten als auch im Schlechten.

Doch ihr Bundesparteitag in Bochum erzählt eine andere Geschichte. Nämlich von der Professionalisierung, von harter Arbeit bei zuweilen kläglichen Resultaten. Sie handelt vom Ende des piratigen Narrativs, Teil des bestehenden Systems zu werden ohne sich an seine Regeln anzupassen. Es geht auf die Bundestagswahl zu und die Piraten sehen ihre Felle davon schwimmen - in den Umfragen sanken sie ab. Und da tun sie, was keiner von ihnen erwartet hätte. Sie reißen sich zusammen.

"Mit Etabliertsein hat das nichts zu tun"

Gerne lassen sich die Protagonisten der Partei nicht auf diesen Wandel festnageln. "Mit Etabliertsein hat das nichts zu tun", sagt zum Beispiel Bernd Schlömer. "Sich auf die Sacharbeit zu konzentrieren ist ein ganz normaler Prozess."

Auch der bayerische Spitzenkandidat Bruno Gert Kramm findet es gut, dass die Piraten "zivilisierter" geworden seien. Ob das nicht das Bild der wilden, chaotischen, kreativen Piraten zerstöre - und den einzelnen Piraten zu sehr einschränke, zum Beispiel in seinem Recht, dem Vorstand ordentlich die Meinung zu geigen? Höchstens theoretisch, findet er: "Ich esse doch schließlich auch mit Messer und Gabel und fühle mich davon nicht eingeschränkt."

Ebenso der politische Geschäftsführer Johannes Ponader. Eine Reporterin verfolgt ihn bis zu seiner Garderobe. "Herr Ponader, Sie haben ja heute ein Jackett an. Kleiden Sie sich jetzt schicker, sind Sie seriöser geworden?". "Ich trage manchmal Jacketts, manchmal auch Sandalen. Aber das ist jetzt kein neues Outfit oder so", wimmelt er sie ab. "Darf ich die Marke ihres Jacketts wissen?", fragt die Frau weiter. "Nein."

Ein kleiner ungehaltener Moment nur - ansonsten gibt sich Ponader ebenso verbindlich wie der Rest seiner Vorstandskollegen. Der Riesenkrach im Vorstand, wegen dem Beisitzer Matthias Schrade zurücktrat und der die Umfragewerte in den Keller trieb? Längst beigelegt. In Zukunft wolle man derartige Konflikte konstruktiver angehen.