Parteienfinanzierung Warum ein Metallarbeiter 115.000 Euro spendete

Conrad von Pentz erbt 115.000 Euro und spendet sie der MLPD, einer vom Verfassungsschutz beobachteten, linksextremistischen Partei mit 2300 Mitgliedern. Das hat zwei Gründe.

Von Charlotte Frank

Conrad von Pentz lebt in großem Wohlstand, so sieht er das jedenfalls. Er hat jahrelang gearbeitet, als Werkzeugmacher, er ist verheiratet mit einer Lehrerin, er besitzt ein Reihenhaus in Wilhelmshaven, er hat drei Kinder, die ihr eigenes Geld verdienen. "Warum braucht man da noch ein großes Erbe?", fragt er.

Ja, warum eigentlich? Es gibt zweifellos viele Menschen, die auf so eine Frage diverse Antworten wüssten, aber Conrad von Pentz wusste keine. Also spendete er sein Erbe: 115.000 Euro, so viel hatte ihm das Haus seines Vaters gebracht. 115.000 Euro, so viel ging Ende Oktober 2012 bei der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) ein. Warum die so viel Geld braucht? Dafür wiederum fallen von Pentz viele Gründe ein. Unter anderem hat das Ganze mit einer Fotovoltaikanlage zu tun.

Das vergangene Jahr war spendentechnisch kein rosiges für die Parteien. Mit 1,3 Millionen Euro erhielten sie ein Drittel weniger Großspenden als 2011; als Großspende gelten Beträge von mehr als 50.000 Euro, die sofort veröffentlicht werden müssen. Die Veröffentlichung ergibt: An vierter Stelle der Spendenempfänger steht, nicht allzu weit hinter der FDP - die MLPD, eine vom Verfassungsschutz beobachtete, linksextremistische Partei mit 2300 Mitgliedern. Diesen Rang hat sie Conrad von Pentz zu verdanken.

"Ich habe für dieses Geld nie gearbeitet und bin darauf nicht angewiesen."

Es gebe, sagt er, mehrere Gründe für die Spende. "Erstens: Ich habe für dieses Geld nie gearbeitet und bin darauf nicht angewiesen." Seine Kinder habe er vor der Überweisung gar nicht erst gefragt, schließlich will er, zweitens: ein Zeichen setzen wider "den Kreditboykott" gegen die MLPD. Die erhalte nicht einmal mehr Hilfe bei der energetischen Aufwertung ihrer Zentrale in Gelsenkirchen. "Alle reden von Umweltschutz, aber wenn auch nur ein Antrag weitergeleitet werden soll, ist gleich Schluss", sagt er. Die Marxisten ärgern sich über die Banken.

"Wir sehen uns seit 2010 mit einem organisierten Banken- und Kreditboykott konfrontiert", sagt Peter Weispfenning aus dem Zentralkomitee der Partei. Alles fing damit an, dass erst die Parteikonten gesperrt wurden, dann die Konten des Parteivorsitzenden. Nach einem Streit vor dem Landgericht Essen wurden die Schließungen inzwischen sämtlich zurückgenommen. "Kredite kriegen wir trotzdem nicht", sagt Weispfenning. Für ihr Vorhaben, eine Fotovoltaikanlage aufs Dach der Parteizentrale bauen zu lassen, habe die MLPD 20 Banken angeschrieben, alle vergeblich. Nun wollen die Marxisten die Sparkasse verklagen - und an diesem Plan, sagt Weispfenning, ändere auch die Spende aus Wilhelmshaven nichts. Man wolle sich in der täglichen Arbeit nicht auf Großspenden verlassen.

Dabei hat die MLPD in der Vergangenheit immer wieder von solchen profitiert: Allein zwischen 2005 und 2008 überwies ihr ein Bergmann aus Moers 2,5 Millionen Euro. "Unsere Politik finanzieren wir im Alltag aber immer noch aus Mitgliedsbeiträgen und aus Spenden ab zwei Euro", sagt Weispfenning. So muss es sein, findet er - staatliche Parteienfinanzierung lehne die MLPD ab: "Wer keine Spenden findet, macht auch keine gute Politik." Das sollte er mal den Grünen sagen: Die haben 2012 nicht eine einzige Großspende verbucht.