Paris Die Welt will die Klimawende

Globales Zeichen: Das Ergebnis der Konferenz von Paris,

(Foto: imago/Xinhua)

Das Abkommen von Paris gilt vor allem als historisch, weil es den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen würde. Auch Schwellenländer sollen ihren CO2-Ausstoß reduzieren.

Von Michael Bauchmüller, Paris

Die Weltgemeinschaft will sich erstmals in der Geschichte gemeinsam dem Klimawandel stellen. Im Abkommen von Paris beschlossen die 195 Staaten einen Mechanismus, mit dem sie die Erderwärmung auf "deutlich unter zwei Grad Celsius" begrenzen wollen. Dies ist jener Wert, von dem an Wissenschaftler vor unkalkulierbaren Folgen des Klimawandels warnen. Nach Möglichkeit wollen die Staaten den Anstieg bei 1,5 Grad Celsius stabilisieren. Im Laufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen keine weiteren Treibhausgase mehr die Atmosphäre belasten. Die Vereinbarung wird auf der ganzen Welt gefeiert. Auch Umweltschützer hatten nicht mit einem derart verbindlichen und anspruchsvollen Abkommen gerechnet.

Das 31-seitige Abkommen lässt für Interpretationen wenig Spielraum. Die Verpflichtungen der Industriestaaten werden darin mit einer klaren Sprache geregelt, auffällig oft findet sich das Wort "soll". In der Sprache internationaler Verträge zählt dies zu den härtesten Formulierungen. Im Verlauf der Verhandlungen hatten sich viele Staaten für eine Abschwächung eingesetzt, etwa in das unverbindlichere "sollte". Sie konnten sich nicht durchsetzen.

Erstmals werden nun auch Schwellenländer aufgefordert, sich an der Begrenzung der Treibhausgasemissionen zu beteiligen. Die Staaten sollen dazu künftig regelmäßig Pläne vorlegen, wie sie daheim die Treibhausgase reduzieren wollen. Beginnend mit dem Jahr 2018, will die Staatengemeinschaft alle fünf Jahre überprüfen, ob die Pläne ausreichen, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Mit jedem neuen Klimaschutzplan, so will es das Abkommen, sollen die Staaten ihre Anstrengungen steigern. Auch die Mittel, mit denen Industriestaaten Entwicklungsländer im Kampf gegen die Erderwärmung unterstützen, sollen von 2020 an wachsen.

Noch an dem historischen Abend kündigte Frankreichs Staatspräsident François Hollande für sein Land an, sowohl Klimaziele als auch Hilfen zu steigern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "historischen Wendepunkt" in der Klimapolitik, US-Präsident Barack Obama von der "besten Chance, diesen einen Planeten zu retten, den wir haben".

Das neue Abkommen soll 2020 in Kraft treten. Formal löst es dann das 1997 geschaffene Kyoto-Protokoll ab. Während das Kyoto-Protokoll nur rund ein Achtel der globalen Emissionen erfasste, soll das neue Abkommen nun den gesamten Ausstoß an Treibhausgasen abdecken. "Wenn dieses Abkommen richtig umgesetzt wird, kann es die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis zur Mitte des Jahrhunderts anstoßen", sagte Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Auch Umweltschützer begrüßten den Vertrag. "Dieses Abkommen zieht uns noch nicht aus dem Loch, in dem wir sitzen", sagte Greenpeace-Chef Kumi Naidoo. "Aber es macht die Wände weniger steil." Der Kampf gegen den Klimawandel beginne nun erst. Kritik dagegen kam aus der Industrie. Abermals gehe mit dem neuen Abkommen die EU voran, bemängelte der Chemieverband VCI. Dies schade der Wettbewerbsfähigkeit.