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Papst zu Besuch in der Türkei:Franziskus ruft zur Einheit der Konfessionen auf

Papst Franziskus

War in der Türkei das erste Mal seit seinem Amtsantritt in einer Moschee zu Besuch: Papst Franziskus.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Papst Franziskus hat in Istanbul erstmals in seiner Amtszeit eine Moschee besucht.
  • Am zweiten Tag seiner Türkei-Reise verbrachte er am Samstag gemeinsam mit dem Mufti von Istanbul, Rahmi Yaran, einen Moment im stillen Gebet in der Blauen Moschee.
  • In seiner Predigt rief der Papst zur Einheit der verschiedenen Konfessionen und Glaubensrichtungen der Kirche auf.
  • Etwa 7000 Sicherheitskräfte waren laut Medien zum Schutz des Papstes im Einsatz

Erstmals Besuch der Blauen Moschee

Gebet in der Blauen Moschee, Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen: Papst Franziskus hat bei seinem Türkei-Besuch anderen Religionsführern die Ehre erwiesen.

Zum ersten Mal seit Beginn seines Pontifikats besuchte der Pontifex eine Moschee und betete dort. Der 77-Jährige besichtigte am Samstag in Istanbul gemeinsam mit dem Mufti Rahmi Yaran die Blaue Moschee und verharrte dort mit ihm eine Zeit lang mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen. Danach besuchte der Papst das Museum Hagia Sophia, das lange Zeit eine Kirche und später eine Moschee war.

Etwa 7000 Sicherheitskräfte waren laut Medien zum Schutz des Papstes im Einsatz. Gemeinsam mit Hunderten Gläubigen feierte Franziskus am zweiten Tag seiner Türkei-Reise eine katholische Messe. Zuvor hatte er Katholiken aus verschiedenen Gemeinden Istanbuls im Garten der Päpstlichen Repräsentanz herzlich begrüßt, mit ihnen gescherzt und ein Gruppenfoto gemacht, wie Papst-Sprecher Federico Lombardi sagte.

Aufruf zur Einheit der Konfessionen

In seiner Predigt rief der Papst zur Einheit der verschiedenen Konfessionen und Glaubensrichtungen der Kirche auf. Im Hof der Heilig-Geist-Kathedrale wurde Franziskus inmitten der islamischen Welt mit lautem Jubel, Applaus und "Viva il Papa"-Rufen begrüßt. Menschen drängten sich hinter Absperrungen. An der Messe nahmen auch der orthodoxe Patriarch Bartholomäus sowie Vertreter anderer Konfessionen teil. Der Abend sollte wie auch der Sonntag ganz im Zeichen der Ökumene stehen.

Das Miteinander der christlichen Kirchen ist eines der wichtigen Themen der Papst-Reise. So wollte der Argentinier am Abend zu einem ökumenischen Gebet und einem privaten Treffen mit Bartholomäus zusammenkommen. Die beiden hatten sich seit Franziskus' Amtsantritt im März 2013 schon mehrmals getroffen und Schritte zur Überwindung der seit fast 1000 Jahren andauernden Spaltung zwischen der morgenländischen und der abendländischen Kirche unternommen.

Erst der dritte Papst, der eine Moschee besucht

Franziskus ist nach seinen Vorgängern Johannes Paul II. und Benedikt XVI. der dritte Papst, der eine Moschee besucht. Die Blaue Moschee ist eine Attraktion in Istanbul und hat sechs statt der üblichen vier Minarette.

Nach seinem kurzen Besuch in dem islamischen Gebetshaus ging es für das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter zur Hagia Sophia. Dort wurde er vom Direktor empfangen und erhielt eine Führung.

Die knapp 1500 Jahre alte Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit, dann wurde sie zur Moschee. Seit 1934 ist sie ein Museum und ein Wahrzeichen der Stadt. Politiker aus der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern immer wieder, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen.

Verhaltenes Interesse am Papst-Besuch

Das Interesse der Menschen in der muslimisch geprägten Türkei an dem Papst-Besuch war eher verhalten. Das sonst bei Reisen oft übliche Bad in der Menge im offenen Wagen fiel für Franziskus aus, stattdessen fuhr er in einem Mittelklassewagen durch die abgesperrten Straßen der Metropole, die über viele Jahrhunderte als Konstantinopel Zentrum des Christentums war.