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Papst in Erfurt:Benedikt XVI. trifft Missbrauchsopfer

Überraschend früh auf seiner Deutschland-Reise traf der Papst in Erfurt auf Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Mitarbeiter der Katholischen Kirche. Er äußerte tiefstes Bedauern, versprach Aufarbeitung und kündigte einen besseren Schutz für die Jugendlichen in katholischen Kirchen an. Kritikern ist das nicht genug.

Papst Benedikt XVI. hat sich am Freitagabend in Erfurt mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester und kirchliche Mitarbeiter getroffen. Das Treffen fand im Priesterseminar statt, wie der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz mitteilten. Anschließend habe der Papst Menschen getroffen, die sich um Missbrauchsopfer kümmern und ihnen helfen.

"Bewegt und erschüttert von der Not der Missbrauchsopfer hat der Heilige Vater sein tiefes Mitgefühl und Bedauern bekundet für alles, was ihnen und ihren Familien angetan wurde", hieß es der Erklärung. "Er hat den Anwesenden versichert, dass den Verantwortlichen in der Kirche an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen ist und sie darum bemüht sind, wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen zu fördern."

Ein solches Treffen gehörte nicht zum offiziellen Besuchsprogramm des Papstes in Deutschland. Es war aber als symbolische Geste erwartet worden. Der Skandal um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch von Kindern in kirchlichen und anderen Einrichtungen erschütterte besonders die katholische Kirche im vergangenen Jahr in ihren Grundfesten.

Mahnwache in Erfurt

Die Bistümer arbeiten den Skandal auf, sie haben die Prävention verstärkt und wollen Opfer mit bis zu 5000 Euro entschädigen. Vielen Betroffenen reicht das aber nicht aus. "Papst Benedikt XVI. ist den Opfern nahe und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der barmherzige Gott, der Schöpfer und Erlöser aller Menschen, die Wunden der Missbrauchten heilen und ihnen inneren Frieden schenken möge", hieß es in der am Abend verbreiteten Erklärung weiter.

Zuvor hatten Missbrauchsopfer in Erfurt mit einer Mahnwache eine weitere Aufarbeitung von sexuellen Vergehen katholischer Priester gefordert. Seit dem Skandal im vergangenen Jahr habe sich nichts geändert, sagte Teilnehmer Wilfried Fesselmann von der internationalen Organisation Snap, der nach eigenen Angaben 12.000 Missbrauchsopfer angehören.

Vatikan-Beobachter waren davon ausgegangen, dass Benedikt seinen Deutschlandbesuch nach dem riesigen Missbrauchsskandal in der Kirche nicht ohne ein solches Treffen beenden konnte. Die Begegnung wurde aber erst an diesem Wochenende in Freiburg erwartet. Dass sie nach einem langen und terminreichen Tag für den 84-Jährigen noch am Freitag in Erfurt stattfand, war überraschend.

Der Vatikan hat noch nie solche Begegnungen offiziell in das Reiseprogramm des Papstes aufgenommen oder sonst vorher angekündigt. Benedikt hat bereits mehrfach Opfer von Priestern der katholischen Kirche unter Ausschluss von Kameras und Öffentlichkeit getroffen, sich von ihnen berichten lassen und mit ihnen gebetet - so in den USA und auch bei seinem Besuch in Malta.

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"Willkommen zu Hause, Heiliger Vater"