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Pandemie:"Impfen ist der Weg aus dieser Krise"

Milliardenlücke in der Krankenversicherung

Bundesgesundheitsminister Spahn sagt, der Impfstoff sei "für die Welt Anlass zur Zuversicht in dieser Pandemie".

(Foto: Tobias Schwarz/dpa)

Gesundheitsminister Spahn setzt große Hoffnungen auf den Start der Immunisierung. Am 27. Dezember soll es in Deutschland losgehen, zuerst für die über 80-Jährigen.

Von Karoline Meta Beisel, Nico Fried und Henrike Roßbach, Berlin/Brüssel

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will an diesem Freitag die Verordnung für die Impfung gegen das Coronavirus unterzeichnen. Unmittelbar nach Weihnachten sollen dann zunächst Menschen geimpft werden, die 80 Jahre und älter sind. Dazu sollen Personen kommen, die in Alten- und Pflegeheimen leben oder arbeiten. Das kündigte Spahn am Donnerstag in Berlin an. Nach dem Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums gehört auch medizinisches Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen, im Rettungsdienst sowie Personal im ambulanten Pflegebereich zu einer Gruppe mit "höchster Priorität". Das Papier liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Zu einer zweiten Personengruppe mit "hoher Priorität" zählen unter anderem Personen ab 70 Jahren, Demenzkranke, Menschen mit Trisomie 21 und Transplantationspatienten, außerdem Menschen in Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften sowie enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen. "Erhöhte Priorität" gilt demnach für Personen ab 60 Jahren, Menschen mit chronischen Krankheiten, Personen "in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen", aber auch für Erzieher, Lehrer und Personen im Einzelhandel. Am Donnerstag überschritt die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden laut Robert Koch-Institut erstmals die Marke von 30 000.

Wenn die Zulassung wie geplant verlaufe, starte man in Deutschland am 27. Dezember mit den Impfungen, sagte Spahn. "Impfen ist der Weg aus dieser Krise", es sei "ein Angebot des Staates". Schon am 21. Dezember will die Europäische Arzneimittelbehörde EMA über ihre Empfehlung in Bezug auf das von dem deutschen Unternehmen Biontech mit dem amerikanischen Pharmakonzern Pfizer hergestellte Vakzin entscheiden. Dass erst sechs Tage später die ersten Spritzen gesetzt werden könnten, erklärte Spahn damit, dass die Impf-Chargen vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut noch geprüft und freigegeben werden müssten, ehe man sie ausliefern könne. Zu Beginn stünden in Deutschland 100 000 Dosen zur Verfügung. "Und dann geht's beständig weiter."

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Forschungsministerin Anja Karliczek sowie Spahn statteten der Firma Biontech am Donnerstag per Videokonferenz eine Art digitalen Firmenbesuch ab. Merkel gratulierte den Biontech-Gründern Özlem Türeci und Uğur Şahin, deren Impfstoff bereits in den USA, Kanada und Großbritannien verabreicht wird. In einer Videokonferenz sagte sie, man sei "mächtig stolz, auch als Bundesregierung, dass in unserem Land solche Forscher da sind". Spahn sagte, der Impfstoff sei "für die Welt Anlass zur Zuversicht in dieser Pandemie".

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, dass die Impfungen in der ganzen Europäischen Union "am 27., 28. und 29. Dezember" beginnen könnten. "Das ist Europas Moment", schrieb sie auf Twitter. Auf die Frage, wie so eine Ankündigung möglich sei, obwohl die EMA den Impfstoff noch gar nicht zur Zulassung empfohlen habe, sagte ein Sprecher, die Ankündigung stehe selbstverständlich unter dem Vorbehalt der rechtzeitigen Freigabe. Im Anschluss werde die Kommission Rücksprache mit den Mitgliedstaaten halten und nach deren OK den Impfstoff für den Markt zulassen. Das solle innerhalb von zwei Tagen geschehen, also zum 23. Dezember.

Schon am 4. Januar will die EMA dann über die Zulassung eines weiteren Corona-Impfstoffes entscheiden, hergestellt vom US-Hersteller Moderna. Das sind sechs Tage früher als zunächst geplant. Der Impfstoff von Moderna könnte damit der zweite sein, der in der EU auf den Markt kommt.

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