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Jemen:Hilfsorganisation warnt vor Hungerkatastrophe

Die Politik ist seit Monaten in der Krise, die Wirtschaft liegt am Boden: Ein Drittel der jemenitischen Bevölkerung leidet nach einem Bericht der Hilfsorganisation Oxfam schon jetzt unter der wirtschaftlichen Not. Wenn die internationale Hilfe nicht verstärkt werde, drohe dem Land eine Hungerkrise. Derweil geht die Gewalt gegen Demonstranten weiter.

Die Hilfsorganisation Oxfam hat vor einer Hungerkatastrophe im Jemen gewarnt. Durch die politische Krise in dem Land sei die Wirtschaft gelähmt und die Lebenshaltungskosten seien rasant gestiegen, erklärte Oxfam in einem am Montag veröffentlichten Bericht. Immer mehr Menschen litten dadurch unter Hunger und Mangelernährung.

Eid al-Fitr celebrations in Yemen

Kinder gehören zu den ersten Opfern der wirtschaftlichen Notlage im Jemen.

(Foto: dpa)

Ein Drittel der Bevölkerung ist der Organistation zufolge Opfer der wirtschaftlichen Not, unter ihnen besonders Frauen und Kinder. Bei der Hälfte der Kinder wirke sich der Nahrungsmittelmangel bereits auf das Wachstum aus; und ein Viertel der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren leide unter schwerer Unterernährung.

Die Notlage hat der Organisation zufolge auch zu einem Wiederanstieg der Heiraten sehr junger Mädchen geführt, weil ihre Familien sie nicht mehr versorgen könnten, erklärte Oxfam weiter. Viele Kinder würden aus der Schule genommen, damit sie sich eine Arbeit suchten, um die Familien zu unterstützen. Oxfam forderte dringend eine stärkere internationale Hilfe für das ärmste arabische Land.

Erneut sterben Demonstranten

Nach dem blutigen Sonntag im Jemen ging das Blutvergießen in der Hauptstadt Sanaa weiter. Die Republikanische Garde schoss dort am Montag erneut auf Demonstranten. Nach ersten Informationen starben mindestens drei Menschen; zahlreiche weitere wurden verletzt. Zehntausende seien erneut gegen Präsident Ali Abdallah Saleh auf die Straßen gezogen. "Die Lage ist sehr angespannt", sagte ein Bewohner der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, die meisten Menschen seien nicht zur Arbeit gegangen, weil die Sicherheitskräfte, die loyal zu Saleh stehen, zahlreiche Straßen gesperrt hätten. Die Zeltstadt der Regimegegner auf dem "Platz des Wandels" sei in der Nacht vergrößert worden.

Am Sonntag hatten Sicherheitskräfte in Sanaa ein Blutbad unter Demonstranten angerichtet: Mindestens 26 Menschen seien in dem Kugelhagel ums Leben gekommen, hunderte weitere verletzt worden, berichtete eine Sprecherin der Protestbewegung. Ein Arzt in einem Krankenhaus der Hauptstadt sprach von 200 Verwundeten. 25 von ihnen befänden sich in kritischem Zustand. Sicherheitskräfte hätten Rettungswagen davon abgehalten, die Verletzten in Sicherheit zu bringen und die Leichen getöteter Demonstranten zu bergen.

Augenzeugen berichteten, dass Scharfschützen von Dächern aus gezielt auf die Demonstranten geschossen hätten. Zudem hätten Saleh-Anhänger in Zivil die Demonstranten mit Gewehren, Schwertern und Schlagstöcken angegriffen. Es sei der massivste Angriff der Sicherheitskräfte auf die Protestbewegung seit Monaten gewesen.

Saleh lässt sich seit einem Bombenanschlag im Juni, bei dem er schwer verletzt wurde, in Saudi-Arabien behandeln. Seit Mai weigert sich der 69-Jährige beharrlich, einen Kompromiss-Plan der Golfstaaten für eine geordnete Übergabe der Macht zu akzeptieren.