Online-Protest Frauen wollen mit Tweets über ihre Menstruation Abtreibungsverbot kippen

  • Auf Twitter schicken Frauen aus Irland massenhaft Nachrichten an den Premier Enda Kenny und berichten darin über ihre aktuelle Periode, um die Aufhebung des Abtreibungsverbots zu erreichen.
  • Die Idee der Initiatorin: Das Gesetz zeige schließlich, dass ihr Geschlechtsorgan Angelegenheit der Regierung sei.
  • Einer Organisation zufolge sind in den vergangenen 35 Jahren mehr als 150 000 Frauen ins Ausland gereist, um dort legal abzutreiben.
Von Esther Widmann

Hebt den achten auf!

"Hi Enda Kenny! Heute keine Periode. Nur normaler vaginaler Ausfluss, aber nichts Besorgniserregendes, denke ich." Tweets dieser Art bekommt der irische Ministerpräsident Enda Kenny gerade einige. Versehen sind sie mit dem Schlagwort "#Repealthe8th", also: "Hebt den achten auf".

Gemeint ist der achte Zusatzartikel zur Verfassung der Republik Irland. Er macht Abtreibung illegal und stellt sicher, dass ein Gesetz nicht reicht, um das zu ändern. Im katholischen Irland ist das Leben eines ungeborenen Kindes ausdrücklich geschützt. Wer eine Abtreibung vornimmt oder vornehmen lässt, muss mit 14 Jahren Gefängnis oder einer unbegrenzten Strafzahlung rechnen - oder beidem.

Gráinne Maguire ist nicht die erste Frau, die sich in Irland für eine Änderung der Rechtslage einsetzt. Aber die Art, wie sie es tut, ist ziemlich zeitgemäß. Aus dem Gesetz gegen die Abtreibung schlussfolgert sie, das weibliche Geschlechtsorgan sei offenbar nicht Angelegenheit der Frauen selbst, sondern der irischen Regierung. Sie startete eine Kampagne auf Twitter. "Frauen von Irland! Eure Vagina ist deren Angelegenheit! Tweetet Enda Kenny Euren Menstruationszyklus. Hebt den achten auf", forderte sie Gleichgesinnte auf dem Nachrichtendienst auf.

Und tatsächlich begannen Frauen, den Ministerpräsidenten über ihre geschlechtlichen Befindlichkeiten auf dem Laufenden zu halten:

"Hey Enda Kenny! Ich hab meine Periode hinter mir, da kann ich jetzt "die guten Unterhosen" rausholen. Puh!" schreibt jemand.

Mit doppeldeutigem Bezug auf körperliche Selbstbestimmung, die sich sowohl auf Abtreibung als auch auf die Menstruation beziehen lässt, schreibt eine andere Nutzerin: "Enda Kenny, wenn ich meine Periode habe, esse ich gerne Schokolade und weine über die fehlende körperliche Selbstbestimmung!"

Jeden Tag reisen zehn Frauen ins benachbarte Ausland, um abzutreiben

Und offenbar gibt es auch Männer, die mit der Kampagne sympathisieren: "Kann ich mir die Menstruationsgeschichte von irgendjemandem ausleihen, um sie an Enda Kenny zu twittern? Ich habe selber keine", twittert ein männlicher Nutzer unter dem selben Hashtag.

Nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation, die für die Legalisierung von Abtreibungen plädiert, sind in den vergangenen 35 Jahren mehr als 150 000 Frauen aus Irland ins Ausland gereist, um ein Kind abzutreiben. Das Gesetz erlaubt solche Reisen ausdrücklich. Das Vereinigte Königreich ist das nächstgelegene Land mit der Möglichkeit zur legalen Abtreibung. Im Jahr 2014 zählte das dortige Gesundheitsministerium über 3700 Abtreibungen bei Frauen aus Irland- mehr als zehn am Tag.

Der achte Zusatzartikel wurde 1983 verabschiedet, auch vorher waren Abtreibungen in Irland verboten, jedoch nur per Gesetz und nicht durch die Verfassung.

Im Jahr 2013 erließ die irische Regierung ein Gesetz, dass den Schwangerschaftsabbruch legalisiert, wenn das Leben der werdenden Mutter bedroht ist. Dazu gehört auch Suizidgefahr. Im Fall einer Schwangerschaft in Folge einer Vergewaltigung, Inzest oder bei Missbildungen des Fötus bleibt die Abtreibung jedoch verboten.

Ob sich das ändern wird, ist fraglich: Im September hat Kenny bekräftigt, kein Referendum zur Verfassungsänderung durchführen zu wollen. Und bisher hat er auch auf Twitter nicht auf die Menstruations-Nachrichten reagiert.