bedeckt München 13°

Österreichische Grünen-Kandidatin Eva Glawischnig:Überraschung aus Kärnten

Wahlplakat der österreichischen Grünen mit Spitzenkandidatin Eva Glawischnig

(Foto: AFP)

Im poltrigen österreichischen Walhkampf gilt sie als angenehme Erscheinung: Die Kärtner Gastwirtstochter Eva Glawischnig kämpft als grüne Spitzenkandidatin gegen die Rechtspopulisten und für einen Erfolg bei der Nationalratswahl. Am Ende könnte sie einer rot-grün-schwarzen Koalition angehören.

Sie ist die einzige Frau unter Männern, und sie zeigt ihren Konkurrenten derzeit regelmäßig, was eine Harke ist: Eva Glawischnig, die Frontfrau der österreichischen Grünen, die bei der Wahl am 29. September eine Regierungsbeteiligung anstrebt, gilt als die positive Überraschung in den zahlreichen Wahlkampfduellen.

In Österreich tritt dabei jeder gegen jeden an. An diesem Donnerstag muss es Glawischnig - mit 44 eine der Jüngsten unter den Spitzenkandidaten - mit dem Senior des Wettkampfs um Wählerstimmen, mit Frank Stronach aufnehmen. Bislang, da sind sich Berichterstatter und Meinungsforscher ziemlich einig, hat die Grüne ihre Sache gut gemacht: "angriffig", aber nicht "untergriffig", wie man in Österreich sagt.

Im Rampenlicht standen erste andere

Dass das als Überraschung gehandelt wird, hat mit dem Ruf der Grünen und dem Verlauf dieses poltrigen Wahlkampfes zu tun. Die Ökopartei, die 2008 zehn Prozent errang, damals nur fünftstärkste Fraktion wurde und ihren populären Spitzenmann Alexander Van der Bellen verlor, brauchte eine Weile, um sich neu aufzustellen. Zudem stand sie lange im Windschatten der rechten Opposition. Boden gewinnen konnte die Partei mit dem Thema politische Korruption; im Rampenlicht aber standen dabei andere Personen. Glawischnig musste erst eigenes Profil gewinnen.

Eva Glawischnig Grüne Österreich

Eva Glawischnig: Als Mutter von zwei Kindern kämpft sie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

(Foto: REUTERS)

Die Mutter von zwei Kindern kennt sich bei Bildungsfragen gut aus, auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiges Thema für sie. Richtig emotional aber wird sie, wenn es um die politische Hegemonie der Rechtspopulisten geht, mit der sie als Gastwirtstochter in Kärnten aufgewachsen ist. Den Epigonen Jörg Haiders attestiert sie eine "Unfähigkeit zur Vergangenheitsbewältigung". Es sei für sie eine "persönliche Befreiung" gewesen, sagt sie, dass die FPÖ im Frühjahr in ihrem Heimatland abgewählt wurde. Auch über ihren neuen Gegner Frank Stronach kann sie sich erregen. Der ziehe mit dem Spruch umher, Reiche seien intelligenter als Arme und Erfolglose, klagt Glawischnig. "Frauen verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als Männer. Sind sie also dümmer?"

Zur Popularität Glawischnigs hatte zuletzt beigetragen, dass die Grünen im Aufwind waren, weil die etablierten Parteien die Quittung für zahlreiche Skandale bekamen. Mittlerweile regieren die Grünen in fünf Bundesländern mit. Man hoffte, nun im Bund auf 15 Prozent zu kommen. Doch ebenso wie die deutschen Grünen schwächeln auch Österreichs Grüne in den jüngsten Umfragen. Und da die Partei ohnehin in dem Ruf steht, Umfragenweltmeister zu sein, aber in Wahlen schlechter abzuschneiden als prognostiziert, macht sich angesichts des Abwärtstrends Nervosität breit.

Da aber auch die Regierungspartner ÖVP und SPÖ derzeit leicht an die Rechten abgeben, setzt Glawischnig auf ein rot-grün-schwarzes Bündnis. "Wir sind eine linksliberale, innovative Partei, die überall aneckt", sagt sie - und meint das natürlich positiv. Genau das könnten die Etablierten jetzt brauchen.

© SZ vom 19.09.2013

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite