Der Chef von Österreichs Staatsholding Öbag, Thomas Schmid, räumt nach dem Skandal um seine Bestellung mit sofortiger Wirkung seinen Chefsessel. Nach intensiven Beratungen innerhalb des Aufsichtsrats habe man sich mit Schmid darauf geeinigt, dass seine Vorstandstätigkeit mit dem heutigen Tag beendet werde, teilte die Holding, die für Österreich die milliardenschweren Staatsbeteiligungen verwaltet, am Dienstag mit.
Schmid war in den vergangenen Monaten mehrfach in den Schlagzeilen. Anlass waren durch staatsanwaltliche Ermittlungen bekannt gewordene Chatprotokolle. In den Protokollen war unter anderem der Eindruck entstanden, dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) deutlichen Einfluss auf die Bestellung seines Vertrauten als Öbag-Chef ausgeübt hat. Am 27. März 2019 wurde Schmid zum alleinigen Vorstand der Öbag bestellt. Kurz hatte ihm zuvor noch geschrieben: "Kriegst eh alles, was Du willst."
Die Opposition wirft Kurz vor, er habe versucht, ein den Regierenden gefälliges Netzwerk zu installieren. Weil Kurz diese Einflussnahme abgestritten hat, sieht er sich selbst Ermittlungen wegen des Verdachts der Falschaussage ausgesetzt. Jüngst waren weitere Chatnachrichten Schmids aufgetaucht, die unter anderem eine geplante Attacke auf den Betriebsrat der Öbag belegen sollen.
Die Staatsholding verwaltet elf Industriebeteiligungen, unter anderem an dem Energiekonzern OMV, der Telekom Austria und der Post mit einem aktuellen Gesamtwert von rund 27 Milliarden Euro.

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Neben dem Chefposten bei der Öbag selbst gibt Schmid auch die Aufsichtsratspositionen in Beteiligungsgesellschaften auf. Zum Interimsvorstand wurde Christine Catasta bestellt. Die Managerin war bis 2020 Chefin von PwC Österreich und zuletzt Direktorin bei der Öbag. Schmid, der 2019 den Chefposten übernommen hatte, war seitdem als Vertreter der Republik in den Aufsichtsräten der Konzerne vertreten.