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Öl-Stadt Kirkuk:Kurden können IS zurückschlagen

Members of the Kurdish security forces inspect the site of bomb attack in Kirkuk

Ein Kurdischer Soldat neben einem ausgebrannten Auto in Kirkuk.

(Foto: REUTERS)
  • Der IS versucht die Stadt Kirkuk einzunehmen, wird jedoch zurückgedrängt. Die Stadt ist Zentrum der irakischen Ölindustrie.
  • Öl war früher eine der Haupteinnahmequellen des IS. Mittlerweile verbraucht der IS den größten Teil der Erdölförderung selbst.
  • Auch in der irakischen Hauptstadt Bagdad gibt es Anschläge.

Heftige Kämpfe in Kirkuk

Mit Unterstützung der US-Luftwaffe haben kurdische Einheiten einen Großangriff von Kämpfern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak zurückgeschlagen. Gouverneur Nadschm al-Din Karim sagte, es habe heftige Gefechte gegeben. Die Offensive sei schließlich mit Hilfe von Luftangriffen der US-geführten multinationalen Koalition abgewehrt worden. Dabei soll ein kurdischer General und fünf weitere Peschmerga-Kämpfer getötet sowie mehr als 40 Menschen verletzt worden sein. Die Opferzahl könnte sich demnach aber noch erhöhen.

Bei den Dschihadisten soll es nach Behördenangaben dutzende Tote gegeben haben. Von unabhängiger Seite konnte das zunächst nicht bestätigt werden. Die vom Sicherheitsausschuss der Provinz Kirkuk verhängte Ausgangssperre ab 10.00 Uhr Ortszeit wurde nach Polizeiangaben später wieder aufgehoben. Dutzende Einwohner in Kirkuk gaben Freudenschüsse in die Luft ab und begrüßten so den Sieg über die Dschihadisten.

Angriff auf Zentrum der irakischen Ölindustrie

Der IS hatte die Stadt im Laufe des Tages angegriffen. In der Nähe des Hauptquartiers der Sicherheitskräfte im Zentrum von Kirkuk gelang es den Kämpfern, eine Autobombe zu zünden. Dabei wurden fünf Menschen verletzt. In Dschalawla im Süden von Kirkuk starben bei einem Selbstmordattentat auf kurdische Peschmerga fünf der Kämpfe.

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In Kirkuk leben eine Million überwiegend kurdischen Einwohner. Die Stadt ist das Zentrum der irakischen Erdöl-Industrie. Von Kirkuk aus verläuft die größte Rohöl-Pipeline des Iraks in die Türkei. Seit sich die irakische Armee im vergangenen Jahr angesichts der Angriffe des IS zurückgezogen hat, verteidigen kurdische Peschmerga-Einheiten die Stadt. Die Dschihadisten hatten die Attacken den Angaben zufolge bei dichtem Nebel an drei Fronten vor allem im Süden Kirkuks gestartet. Die Kämpfe dauerten am Mittag weiter an. Die Lage sei aber "unter Kontrolle", hieß es vonseiten der Peschmerga.

Öl war früher Haupteinnahmequelle des IS

Der IS gilt als eine der reichsten Terrorgruppe der Welt. Das Vermögen wird von Nachrichtendiensten auf weit mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt. Die Miliz finanziert sich weitgehend selbst. Die Einnahmen stammen vor allem aus Erpressung, Kunstraub, Entführungen und Schmuggelgeschäften. Erdöl war früher angeblich die Haupteinnahmequelle, heute sollen es Steuern sein. Einer Schätzung des Bundesnachrichtendienstes vom November 2014 zufolge verbraucht der IS den größten Teil der "noch vorhandenen Erdölförderung" mittlerweile selbst.

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In der irakischen Hauptstadt Bagdad starben bei einem Doppelanschlag laut Medienberichten mindestens 44 Menschen. Die Sprengsätze seien auf einem zentralen Markt, auf dem auch gebrauchte Militäruniformen verkauft werden, explodiert berichtete das Nachrichtenportal Sumaria News. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern seien auch Sicherheitskräfte. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Im Irak sowie in Syrien hat die Terrormiliz Islamischer Staat große Landstriche unter ihrer Kontrolle. Die im syrischen Bürgerkrieg erstarkten Extremisten hatten sich im vergangenen Jahr den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak zunutze gemacht, die Millionenstadt Mossul erobert und waren weiter in Richtung Bagdad vormarschiert. Ein militärischer Sieg gegen den IS ist nicht in Sicht.