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Obama:Kritiker ohne Selbstkritik

Dass der frühere US-Präsident seinen Nachfolger geißelt, ist wohlfeil.

Es ist leicht, Donald Trump zu kritisieren. Der US-Präsident ist ein Zerstörer, er zerreißt die amerikanische Gesellschaft genauso wie die internationale Ordnung. Insofern hat der frühere Präsident Barack Obama recht, wenn er nun vor der Politik Trumps warnt. Aber seine Kritik ist auch etwas wohlfeil.

Trump ist im Januar 2017 nicht vom Mars herabgestiegen, er hat die USA nicht erobert und besetzt. Er ist gewählt worden. Und sein Wahlsieg war der Endpunkt einer langen Entwicklung in Amerika, die auch in Europa mit ähnlichen Folgen stattgefunden hat: eine wachsende Angst vor der Globalisierung, die nicht nur im armen Afrika Verheerungen anrichtet, sondern auch im armen Ohio; ein schwindendes Vertrauen in die Politiker, die Besserung versprechen, aber wenig verbessern; eine neue Sehnsucht nach nationaler und ethnischer Abschottung, weil das Schutz vor der kalten, bedrohlichen Welt bietet.

Diese Entwicklungen gibt es seit dem Ende des Kalten Krieges, seit einem Vierteljahrhundert. Von den drei US-Präsidenten, die in dieser Zeit regiert haben, waren zwei Demokraten, acht Jahre lang war es Barack Obama. Seine Kritik an Trump wäre daher glaubwürdiger, wenn er auch einmal darüber reflektieren würde, ob er und seine Partei nicht für einige jener Fehler verantwortlich sind, die Trump den Sieg gebracht haben.

© SZ vom 19.07.2018

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