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NSU-Prozess:Was Zschäpe zum Fall Peggy zu sagen hat

Das Gericht rechtfertigte die Beschlagnahme damit, dass Zschäpe gewusst habe, dass sie der Briefkontrolle unterliege. Der Brief sei auch kein tagebuchartiges Selbstgespräch wie die Verteidiger Heer, Stahl und Sturm eingewandt hatten. Die neuen Verteidiger hatten sich dazu nicht geäußert.

Am Donnerstag lieferte Zschäpe im Prozess auch die lang erwartete Antwort auf eine Frage des Gerichts zum Mordfall Peggy Knobloch. "Frau Zschäpe, verfügen Sie über Informationen über Peggy Knobloch, die Sie nicht aus den Medien haben?", hatte der Senat sie vor rund sechs Wochen gefragt. Zschäpes Antwort, vorgetragen von ihrem Verteidiger Hermann Borchert, ist die kürzestmögliche: "Nein."

Mitte Oktober war der spektakuläre Fund einer DNA-Spur von Uwe Böhnhardt am Ablageort der Leiche der kleinen Peggy bekannt geworden. Ob es sich dabei um eine echte Spur oder eine Tatortverunreinigung durch Ermittler handelt, ist noch immer unklar.

Wie Zschäpe Kinderpornos auf dem PC erklärt

Der überraschende DNA-Fund hat ein weiteres Thema auf die Tagesordnung des NSU-Prozesses gebracht: Ermittler haben auf der Festplatte eines Computers im Brandschutt der letzten Wohnung von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt kinderpornografische Bilder entdeckt. So steht es in einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA). Der Computer stand unter einem Hochbett in Zschäpes Zimmer.

Auf einem der Bilder ist laut BKA der Missbrauch eines Jungen durch eine Frau zu sehen. Ein zweites Bild zeigt, wie entweder ein junges Mädchens oder ein männlicher Jugendlicher ebenfalls durch eine Frau missbraucht wird. Weitere Bilder zeigen: Mädchen unter der Dusche, vor und auf einem Bett. Auf einem Bild umarmt ein Mann ein Mädchen. Unter dem Bild ist die Internetadresse einer Pornoseite vermerkt. Wann die Bilder heruntergeladen wurden, hat das BKA nicht herausgefunden.

"Wer nutzte den PC?", hatte Richter Götzl Zschäpe Ende Oktober gefragt. Über ihren Anwalt erklärte Zschäpe nun: "Der PC wurde sowohl von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als auch von mir genutzt. Jeder von uns hatte darauf Zugriff." Von den Bildern will sie erst im Prozess erfahren haben.

Die Existenz von Kinderpornos auf der Festplatte erklärte sie damit, dass Mundlos den Computer aus gebrauchten Einzelteilen zusammengebaut habe. Sie will also nahelegen, dass die Bilder nicht von ihr, Mundlos oder Böhnhardt, sondern von einem unbekannten Dritten auf der Festplatte gespeichert worden seien.

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat die Ermittlungen gegen Zschäpe wegen Besitzes von Kinderpornografie schon Ende 2012 beendet. Sie hielt eine Strafverfolgung in dieser Sache für überflüssig, weil die Strafe, die Zschäpe im NSU-Prozess wegen Mordes in zehn Fällen, zwei Bombenanschlägen und schwerer Brandstiftung erwartet, ungleich höher ist als eine Strafe wegen Besitzes von Kinderpornografie.