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NSU-Prozess:Die neue Strategie: Zschäpe sei abhängig gewesen von den "Uwes"

Immer wieder gab es Anträge, die Zusammenarbeit beenden zu dürfen. Mal von Zschäpe, mal von Heer, Stahl, Sturm. Ohne Erfolg. Die drei verteidigten trotzdem so tapfer wie engagiert weiter. Grasel und Borchert aber mischten den Prozess neu auf.

Zschäpe ließ ihr neues Anwaltsteam im Dezember 2015 eine Aussage verlesen. Ihre Einlassung widersprach der Anklage in wesentlichen Punkten. Im Kern ließ Zschäpe mitteilen: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben alle Verbrechen begangen, die dem NSU zugeordnet werden. Sie selbst sei nur mit den Raubüberfällen einverstanden gewesen, zur Sicherung des Lebensunterhalts im Untergrund.

Von den Morden und Anschlägen habe sie jeweils immer erst hinterher erfahren. Sie sei furchtbar entsetzt gewesen, hätte aber weitere Morde und Anschläge nicht verhindern können. Zschäpe ließ mitteilen, dass sie irgendwann resigniert und sich vermehrt dem Alkohol hingegeben hätte. Sie ließ sich als schwache Frau darstellen, emotional abhängig von den Uwes.

Vielleicht könnte der Prozess doch noch etwas länger dauern

Zschäpes Vertrauensanwälte Borchert und Grasel haben bereits im April dieses Jahres plädiert. Sie trugen vor, dass für ihre Mandantin eine Gesamtfreiheitsstrafe von maximal zehn Jahren tat- und schuldangemessen sei. Zschäpe sei nur wegen Beihilfe zu 15 Raubüberfällen und wegen besonders schwerer Brandstiftung zu verurteilen.

Dass Zschäpe Gründungsmitglied der terroristischen Vereinigung NSU gewesen sei, habe die Beweisaufnahme nicht ergeben. Auch eine Mittäterschaft an den Morden und Bombenanschlägen sei Zschäpe nicht nachzuweisen.

Heer, Stahl und Sturm hatten Zschäpe dringend zum Schweigen geraten. Wie die drei Verteidiger nun mit Zschäpes Einlassung und den Plädoyers ihres zweiten Anwaltsteams umgehen werden, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Es sei denn, das Gericht hat vor, zunächst noch den Beweisanträgen der Verteidigung des Mitangeklagten Ralf Wohlleben nachzukommen. Dann könnte der Prozess doch noch ein bisschen länger dauern.

© SZ.de/bepe
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