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NSU-Prozess in München:Zschäpe dachte mehrfach an Suizid

Zschäpe hatte nach dem Tod ihrer beiden Männer die beiden Mütter angerufen und sie informiert, dass ihre Söhne nicht mehr am Leben sind. Und sie habe auch zum Ausdruck gebracht, dass sie nach dem Tod ihrer Familie mehrfach daran gedacht habe, sich das Leben zu nehmen. Aber sie habe nicht die Kraft dazu gefunden. Gut eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Und die Atmosphäre muss locker gewesen sein. Zschäpe habe sich immer wieder nach ihren beiden Katzen erkundigt, und ob es ihnen gutgehe. Der Polizist konnte sie damals beruhigen: Die Katzen hätten den Brand überlebt und seien im Tierheim.

Beate Zschäpe presst während der Aussage des Zeugen die Lippen aufeinander, es steht ein eingefrorenes Lächeln in ihrem Gesicht, die Arme hat sie vor der Brust verschränkt. Dabei müsste ihr das ausgeprägte Sächsisch des Polizisten doch sehr vertraut in den Ohren klingen. Mit ihm und seiner Kollegin aus Baden-Württemberg hatte sie sich über eine halbe Stunde unterhalten - bei Zigaretten und Brötchen. Am nächsten Morgen bekam sie noch Kaffee und Baguette - "wie es sich gehört", sagt der Polizist.

Immer wieder verweist der Kriminalhauptmeister auf seinen Vermerk von damals. Wer dachte, hier seien noch Erinnerungsschätze zu heben, der wurde enttäuscht. Doch der Verteidigung ist auch das zu viel. War Zschäpe überhaupt noch vernehmungsfähig?, fragen ihre Anwälte. Nicht viel zu übermüdet nach tagelanger Flucht? Waren die Umstände nicht unwürdig - so ohne Dusche, in fremden Kleidern? Warum wurde überhaupt mit ihr geredet, wenn sie doch nichts sagen wollte? Nach der Aussage erklärt die Verteidigung, die Angaben könnten nicht verwertet werden.

Am Nachmittag sprach der Beamte, der Zschäpe nach Karlsruhe gebracht hatte. Er habe sie genau beobachtet, als ihr die Mordfälle der NSU vorgehalten wurden und sie über den Tod ihrer Männer informiert wurde. "Ich habe mich da schon gewundert, sie hat das sehr emotionslos über sich ergehen lassen", sagte der BKA-Mann. "Auch als es um den Tod der Uwes ging, gab es keine Tränen, sie hat nicht geschluckt, nicht geschwitzt."

Damals sagte sie auch, sie habe sich nicht gestellt, um nicht auszusagen. Ein Satz, der die Ermittler noch immer hoffen lässt. Während die beiden vor dem Ermittlungsrichter in Karlsruhe warteten, erzählte Zschäpe, sie und die Uwes hätten sich in Zwickau vorwiegend mit dem Fahrrad fortbewegt und sich aus Tarngründen auch keinen Hund angeschafft. Es sei ihnen schon klar gewesen, dass sie eines Tages auffliegen würden.