NSU-Prozess:In der Untersuchungshaft telefonierte Zschäpe jede Woche mit ihrer Oma

So war es ihre Oma, die Zschäpe am 8. November 2011 besuchen wollte, bevor sie sich der Polizei stellte. Am 4. November 2011 hatte Zschäpe nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos die letzte Wohnung der mutmaßlichen NSU-Terroristen in Zwickau in Brandt gesetzt und war vier Tage mit dem Zug durch Nord- und Ostdeutschland geirrt. Zschäpes Flucht endete in Jena. Ein Spürhund der Polizei konnte ihre Fährte bis in die Nähe der Wohnung verfolgen, in der Zschäpes Oma gemeinsam mit ihrer Mutter gelebt hat. Warum Zschäpe ihre Oma damals letztlich nicht mehr besucht hat, ist unklar.

Zschäpe hatte ihre Oma seit ihrer Flucht mit Mundlos und Böhnhardt im Januar 1998 nicht mehr gesehen. Unmittelbar vor ihrem Untertauchen hatte sich Zschäpe von ihrer Oma Geld geliehen, so hatten es Mutter und Großmutter im November 2011 einem Polizisten berichtet. Sie baten den Ermittler damals auch, Zschäpe auszurichten, dass sie ihre Familie, also ihre Mutter und ihre Oma, noch hat.

Die Großmutter war seit langer Zeit herzkrank. Im Januar und März 2012 war Zschäpe von Mutter und Großmutter in der Untersuchungshaft, damals noch in Köln, besucht worden. Im April 2012 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Oma nach einem schweren Sturz. Im Juni 2012 wurde Zschäpe in die Justizvollzugsanstalt Gera in Thüringen gebracht, damit ihre Oma ihre Enkelin sehen konnte.

Auf der Fahrt von Köln nach Gera sagte Zschäpe einem BKA-Beamten, sie habe eigentlich nicht schweigen, sondern aussagen wollen. Sie habe sich vor allem ihrer Oma erklären und sich dadurch entschuldigen wollen. Umgesetzt hat sie dieses Vorhaben nicht. Die Telefonate, die Zschäpe jeden Freitagnachmittag für eine halbe Stunde mit ihrer Großmutter von der Justizvollzugsanstalt aus geführt hat, wurden überwacht. Ihre letzten Tage hat Anneliese Apel im Krankenhaus verbracht.

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