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Norwegen:Polizei wertet Angriff als Terrorakt

Ein Verletzter bei Schüssen in Moschee bei Oslo

Bei der Schießerei auf dem Gelände der Moschee wurde nur ein Mensch leicht verletzt. Besucher konnten den Angreifer überwältigen.

(Foto: Terje Pedersen/dpa)

Ein Mann dringt bei Oslo mit einer Waffe in eine Moschee ein - kann aber noch rechtzeitig gestoppt werden. Der Täter hatte Ermittlungen zufolge rechtsextremistische Ansichten.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Nach einem bewaffneten Überfall auf eine Moschee in der Gemeinde Bærum unweit von Oslo ist die norwegische Polizei am Sonntag landesweit in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Im Großraum Oslo wurde die Bewaffnung aller Polizisten angeordnet. Ein Sprecher erklärte, die Polizei wolle die Sicherheit aller Muslime garantieren, die am Sonntag das Opferfest feierten, eines der höchsten Feste im Islam. Bei der Schießerei am Samstagnachmittag wurde nur ein Mensch leicht verletzt, was offenbar allein der Wachsamkeit eines 65 Jahre alten Moscheebesuchers zu verdanken war, der den Täter überwältigen und ein größeres Blutvergießen verhindern konnte.

Der mutmaßliche Täter ist ein 20-jähriger Norweger, in dessen Wohnung die Polizei am Samstagabend noch die Leiche einer kurz zuvor getöteten Frau fand. Diese sei inzwischen als die jüngere Adoptivschwester des Täter identifiziert worden, so die Polizei am Sonntag. In einer ersten Vernehmung verweigerte der Angeklagte jede Auskunft. Vor seiner Tat hatte er offenbar im Internet ein antimuslimisches Pamphlet gepostet. Nun ist eine Debatte darüber entbrannt, wie weit aufwieglerische Rhetorik gegen Muslime und rassistische Hetze schon in den Alltag der norwegischen Gesellschaft vorgedrungen sind.

"Als wäre jemand am Heiligen Abend in eine Kirche gegangen und hätte um sich geschossen"

Der Zeitung Verdens Gang zufolge wurde am Samstag unter dem Namen des Angeklagten ein Posting veröffentlicht, der die Leser dazu auffordert, am "Rassenkrieg" teilzunehmen. Außerdem erkläre er seine Bewunderung für den Rechtsradikalen, der im März in zwei Moscheen in der Stadt Christchurch in Neuseeland 51 Menschen erschoss. Der Beitrag ende mit den Worten "Walhall wartet". Walhall oder Wallhalla ist in der nordischen Mythologie der Ruheort heldenhafter, in der Schlacht gefallener Krieger. Die Polizei erklärte am Sonntag, sie werte den Angriff auf die Moschee als "versuchte terroristische Tat". Ermittlungen hätten ergeben, dass der Täter rechtsextremistische Ansichten hatte.

Von einem "terroristischen Anschlag" sprach auch Norwegens Islamrat: Der Angriff sei "das Ergebnis eines langjährigen Hasses auf Muslime, der sich in Norwegen ausbreiten durfte, ohne dass die Behörden diese Entwicklung ernst nahmen", heißt es in einer Erklärung. "Wenn Meinungsmacher Muslime und andere Minderheiten als Invasoren und Bedrohung bezeichnen, ist es die logische Folge, dass einige in der Gesellschaft es für unabdingbar halten, diese Gruppen mit Gewalt zu bekämpfen." Der muslimische Abgeordnete Abid Raja erklärte, ein solcher Anschlag am Vorabend des Opferfestes, "das ist, als wäre jemand am Heiligen Abend in eine Kirche gegangen und hätte um sich geschossen".

Vertreter aller politische Fraktionen in Norwegen verurteilten den Gewaltakt. Ministerpräsidentin Erna Solberg drückte ihr "Mitgefühl" aus und schrieb, in Norwegen sollte es für jeden "sicher sein, zur Moschee, zur Kirche oder zu anderen Gotteshäusern zu gehen". Solberg wollte noch am Sonntag die Opferfestfeier der Muslime in Bærum besuchen. Der Angriff sorge "für Angst und Unruhe" unter den Muslimen Norwegens, schrieb sie auf Twitter. "Wir müssen Hass und antimuslimische Einstellungen bekämpfen." Sindre Bangstad, ein Anthropologe an der Universität Oslo und Autor eines Buches über den rechtsradikalen Massenmörder Anders Breivik, der 2011 auf der Insel Utøya 77 Menschen erschoss, kritisierte die rechte Regierung Erna Solbergs allerdings scharf. Er warf ihr vor, sie habe aus Rücksicht auf ihren rechtspopulistischen Koalitionspartner, die Fortschrittspartei, in den vergangenen Jahren islamophoben Hassreden gegenüber nicht nur beide Augen zugedrückt, sie habe sie sogar "aktiv gefördert". Viele Norweger erklärten online ihre Unterstützung für die Muslime unter dem Hashtag "#theyareus" oder versammelten sich vor verschiedenen Moscheen.

© SZ vom 12.08.2019

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