New York:Im Notizblock des Polizisten

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New York City mayoral election

Gilt als eigenwilliger Kopf: der neue New Yorker Bürgermeister Eric Adams, ein ehemaliger Polizist.

(Foto: Andrew Kelly/REUTERS)

Dass der Demokrat Eric Adams zum neuen Bürgermeister gewählt wird, war klar. Seine Pläne sind es noch nicht so ganz.

Von Christian Zaschke, New York

Auch am letzten Tag des Wahlkampfs gelang es dem Republikaner Curtis Sliwa, seinem demokratischen Rivalen Eric Adams die Schau zu stehlen, indem er versuchte, eine seiner vielen Katzen ins Wahllokal zu schmuggeln. Das misslang, er wurde zur Ordnung gerufen und brüllte daraufhin: "Dann nehmt mich doch fest." Beide, Adams und Sliwa, wollten Bürgermeister von New York werden, als Nachfolger des ungeliebten Bill de Blasio, und beide hatten sich mit Wucht und Wonne in diesen Wahlkampf geworfen. Zehn Minuten, nachdem die Wahllokale am späten Dienstagabend geschlossen hatten, verkündeten die Nachrichtenagenturen, dass Adams erwartungsgemäß gewonnen hatte. Sliwa nahm es, ausnahmsweise, in Ruhe hin.

Im Grunde war diese Wahl Formsache, das wusste Sliwa ebenso wie Adams. Nachdem sich Eric Adams im Sommer in einem engen Rennen als Bewerber der Demokraten durchgesetzt hatte, war klar, dass er in diesem Herbst zum Bürgermeister von New York gewählt werden würde. Sein Vorgänger Bill de Blasio darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Candidate for New York City Mayor Curtis Sliwa votes in New York

Hatte keine Chance: der republikanische Bürgermeisterkandidat Curtis Sliwa mit einer seiner 17 Katzen.

(Foto: Carlo Allegri/REUTERS)

Dass Adams' Sieg quasi feststand, liegt daran, dass New York auf absehbare Zeit keine Republikaner wählt. Das hat viel damit zu tun, dass der ehemalige republikanische Präsident Donald Trump aus New York stammt, aber auch damit, dass dessen Anwalt Rudy Giuliani einst Bürgermeister der Stadt war. Giuliani, ein überzeugter Trump-Anhänger, gilt hier als komplett durchgeknallt. Und Trump ist ohnehin legendär unbeliebt in New York.

Curtis Sliwa hatte versucht, diese Hürden zu umgehen, indem er sich als republikanischer Trump-Skeptiker präsentierte. Davon gibt es nicht viele in der Partei, die meistenteils ängstlich auf den abgewählten Präsidenten schaut. Sliwa hingegen ist kein Mann der Angst. Er hat 1979 die Guardian Angels gegründet, eine Gruppe von Freiwilligen, die für mehr Sicherheit in der U-Bahn sorgen sollte. Das war damals ein gefährlicher Job.

Als er an diesem Dienstag am Wahllokal erschien, hatte er also eine seiner Katzen dabei. Die Debatte darüber, wie viele Katzen er besitzt, ist mittlerweile etwas aus dem Ruder gelaufen. Sie war, so albern das klingt, beinahe das bestimmende Thema des an Themen sonst armen Wahlkampfs. Seit diesem Dienstag scheint es, als hätten sich die New Yorker Medien darauf geeinigt, dass es 17 Katzen sein könnten, mit denen er ein 35 Quadratmeter großes Apartment auf der Upper West Side in Manhattan teilt. Zuvor wurde darüber gestritten, ob es 15 oder 16 seien.

Ein künftiger Präsidentschaftskandidat? Wohl eher nicht

Abseits solcher Banalitäten ist der souveräne Sieg von Eric Adams in vielerlei Hinsicht ein Zeichen. Zum einen ist er der zweite afro-amerikanische Bürgermeister New Yorks nach David Dinkins, der von 1990 bis 1993 regierte. Zum anderen gehört er dem konservativeren Flügel der Demokratischen Partei an, was in New York auf den ersten Blick überraschen könnte.

Man muss sich die amerikanischen Demokraten, wenn man sie mit den deutschen Verhältnissen vergleicht, als Partei vorstellen, die allen Strömungen von der Linkspartei bis zum moderaten Flügel der CDU eine Heimat bietet, und in New York hatten die progressiveren Kräfte zuletzt mehr und mehr Macht gewonnen.

Als Aushängeschild dieser Kräfte gilt die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, die im Kongress in Washington einen Wahlkreis vertritt, der Teile der Bronx und von Queens umfasst, mithin äußerst multikulturelle Viertel. Es stand daher bei dieser Wahl auch die Frage im Raum, in welche Richtung sich die Demokraten bewegen wollen. Der Sieg von Adams deutet an, dass das liberale New York einem konservativeren Kurs, vorsichtig gesagt, nicht abgeneigt sein könnte.

Eric Adams ist 61 Jahre alt. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass er eine Karriere als nationaler Bewerber beginnen könnte, sprich: als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2024 oder 2028. Dann wiederum: Der amtierende Präsident Joe Biden wird in knapp drei Wochen 79 Jahre alt, sein Vorgänger Donald Trump ist 75 Jahre alt. Und Trump wird, so sieht es derzeit aus, im Jahr 2024 noch einmal antreten.

Gerade konservative New Yorker haben Adams den Erhebungen zufolge ihre Stimme gegeben, weil er ein ehemaliger Polizist ist. 22 Jahre lang gehörte er dem NYPD an, der Polizei von New York City. Nach eigenen Angaben habe er diesen Beruf gewählt, weil er als Jugendlicher von Polizisten geschlagen worden sei. Er habe anschließend auf Anraten eines befreundeten Geistlichen die Behörde von innen reformieren wollen. In der Tat hat er sich einen Namen als unbeugsamer Geist gemacht, was ihm in einer Organisation des Corpsgeists nicht allzu viele Freunde gemacht hat.

Mittlerweile ist Adams ein erfahrener Politiker, er arbeitete als Senator im Parlament des Bundesstaats New York, zuletzt war er Präsident des Bezirks Brooklyn. Er hat sich lange auf den Posten des Bürgermeisters vorbereitet. Adams selbst sagt: exakt seit 1994, als er begann, Notizbücher mit seinen Plänen für die Stadt zu füllen. 26 habe er mittlerweile vollgeschrieben, sagt er. Nicht nur New York darf gespannt darauf sein, was der künftige Bürgermeister der größten Stadt der USA da alles notiert hat.

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