"New START"-Vertrag:USA und Russland rüsten ab

Historischer Moment in Prag: US-Präsident Obama und Russlands Staatschef Medwedjew unterzeichnen den "New START"-Vertrag. sueddeutsche.de präsentiert die Eckpunkte der Abrüstungsvereinbarung in Bildern.

8 Bilder

Obama Medwedjew Atomabkommen, dpa

Quelle: SZ

1 / 8

14 Mal haben US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitrij Medwedjew in den vergangenen Monaten telefoniert und über das Thema Abrüstung gesprochen. Am 26. März 2010 hieß es dann: Die Staatsoberhäupter der beiden größten Atommächte der Welt haben den Durchbruch erzielt und sich laut Obama auf den "umfassendsten Abrüstungsvertrag in nahezu zwei Jahrzehnten" geeinigt. Am heutigen Donnerstag, den 8. April, wird "New START" in Prag unterzeichnet. "START" steht dabei für "Strategic Arms Reduction Treaty" steht, zu Deutsch: Vertrag zur Verringerung der strategischen Nuklearwaffen.

Im Bild: Obama und Medwedjew bei einem Treffen in New York im September 2009, Foto: dpa

Obama Atomwaffen Abrüstung Prag, dpa

Quelle: SZ

2 / 8

Ein knappes Jahr zuvor hatte Obama in der tschechischen Hauptstadt Prag mit geballten Fäusten für die Vision einer atomwaffenfreien Welt geworben. Tausende begeisterte Zuhörer hatten dem charismatischen Politiker, der damals erst wenige Monate im Amt war, auf dem Platz vor dem Veitsdom zugejubelt. Eine Welt ohne Atomwaffen sei möglich, bekräftigte Obama und rief: "Zusammen können wir das schaffen." Er machte aber deutlich, dass dies noch Jahrzehnte dauern werde.

Der neue START-Vertrag zielt zwar noch nicht auf eine atomwaffenfreie Welt ab, ist aber ein weiterer Schritt in diese Richtung. So verpflichten sich Russland und die USA ...

Im Bild: Obama während seiner Rede in Prag, Foto: dpa

Minuteman II Rakete Atomsprengkopf, AP

Quelle: SZ

3 / 8

... binnen sieben Jahren die Zahl ihrer Atomsprengköpfe auf höchstens 1550 zu senken und die ausgemusterten zu verschrotten. Derzeit halten die USA Schätzungen zufolge noch etwas 2100 Gefechtsköpfe einsatzbereit, Russland etwa 2600. Sie werden beispielsweise auf Interkontinentalraketen angebracht. Zwar reichen auch 3100 Sprengköpfe noch aus, um ein globales Inferno auszulösen. Doch die Reduzierung ist beachtlich, wie ein Blick auf die Verhältnisse in den 1970er Jahren zeigt: Damals hatten die USA etwa 15.000 Sprengköpfe, die Sowjetunion bis zu 12.000 - "taktische" Nuklearwaffen, die eine geringere Sprengkraft haben als die großen strategischen, nicht eingerechnet.

Nicht nur die Zahl der Sprengköpfe soll sinken, ...

Im Bild: Rakete des Typs Minuteman II, Foto: AP

Atom-U-Boot New Start Abrüstung, AP

Quelle: SZ

4 / 8

... die beiden Länder wollen auch ihr Arsenal an Trägersystemen verringern. Das sind neben Langstreckenraketen auch Kampfbomber und Atom-U-Boote. Künftig soll jedes Land höchstens noch 700 Langstreckenraketen und 800 Trägersysteme besitzen. Russland liegt Schätzungen zufolge ohnehin bereits unter dieser Marke. Da die Russen zudem dabei sind, ihre veraltete Nuklearwaffensammlung zu modernisieren, kam ihnen diese Regelung entgegen. Lange gerungen haben die Länder um andere Kernpunkte des Vertrags.

Im Bild: das US-amerikanische Atom-U-Boot USS Florida, Foto: AP

Putin Atomwaffen New Start, dpa

Quelle: SZ

5 / 8

So hatten die russische Militärführung und Premierminister Wladimir Putin darauf gedrungen, auch die US-amerikanischen Pläne für eine Raketenabwehr in Osteuropa einzubeziehen. Der russische Regierungschef hatte kritisiert, die USA würden sich mit einem Abwehrschirm "vollkommen in Sicherheit fühlen und tun und lassen, was sie wollen". Die Militärführung forderte unter anderem, Daten über den geplanten amerikanischen Raketenschild zu erhalten. Amerikanischen Medienberichten zufolge soll die Raketenabwehr nun in der Präambel des neuen START erwähnt werden.

Foto: dpa

Atomwaffen Abruestung Start, ddp

Quelle: SZ

6 / 8

Fast wichtiger als die Einigung auf diese Eckpunkte ist allerdings, dass "New START" auch einen politischen Neustart symbolisiert. So ist etwa Obama der Meinung, das Abkommen signalisiere den Willen der beiden größten Atommächte, eine atomwaffenfreie Welt herbeizuführen. Und der russische Experte Nikolai Sokolow, am Monterey Institute of International Studies in Kalifornien tätig, sagte der New York Times: "Ich glaube, in zehn Jahren werden wir sehen, dass es ein kleiner Brückenvertrag war, ohne den jedoch nachfolgende, wesentlich größere Erfolge nicht möglich gewesen wären."

Im Bild: eine Frau demonstriert im rheinland-pfälzischen Büchel nahe des Bundeswehr-Fliegerhorsts, wo die letzten in Deutschland verbliebenen US-Atomwaffen lagern, für eine atomwaffenfreie Welt, Foto: dpa

Gorbatschow George W. Bush Atomabruestung Start, dpa

Quelle: SZ

7 / 8

Das letzte bedeutende Abkommen zur Atomabrüstung, START I, schlossen die USA und die sich auflösende UdSSR nach knapp zehn Jahren Verhandlung im Jahr 1991 - die damaligen Staatsoberhäupter George Bush sr. und Michail Gorbatschow unterzeichneten es. Der Vertrag sah erstmals eine Verminderung der Atomwaffen in beiden Ländern vor. START I trat erst 1994 in Kraft, Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion, galt aber durch ein Zusatzprotokoll auch für Weißrussland, Kasachstan und die Ukraine.

Diese Staaten haben ihre Atomwaffen mittlerweile vollständig abgerüstet. Den Folgevertrag START II unterzeichneten Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin und George Bush sr. 1993. Er sah eine weitere Verringerung des Waffenarsenals vor, trat aber nie in Kraft - erst zögerte die Duma die Ratifizierung jahrelang hinaus, dann kündigten die USA einen Bestandteil des Vertrags auf.

Im Bild: Bush und Gorbatschow im thüringischen Geisa bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises im Jahr 2005, Foto: dpa

Hiroshima atomwaffenfreie Welt, AFP

Quelle: SZ

8 / 8

Vor dem START-Abkommen gab es keinen wirklichen Abrüstungsvertrag, die vorherigen Abkommen verdienen höchstens den Titel Aufrüstungsvertrag. Denn Abschlüsse wie "SALT" (Strategic Arms Limitation Talks, zu Deutsch: Verträge zur nuklearen Rüstungsbegrenzung) von 1969 und 1979 legten lediglich neue Höchstgrenzen für die Bewaffnung fest. Diese lagen aber immer höher als die amerikanischen und sowjetischen Bestände an Atomwaffen.

Eine atomwaffenfreie Welt, wofür auch in Japan am Jahrestag des Atombombenabwurfes auf Hiroshima immer wieder demonstriert wird, schien in weiter Ferne. Nun gibt es wieder erste ermutigende Anzeichen.

Im Bild: Laternen erinnern an die Opfer der Bombardierung Hiroshimas, im Hintergrund der Friedenspark Hiroshima mit der sogenannten Atombombenkuppel, Foto: AFP

(Quelle: sueddeutsche.de/AFP/Corinna Nohn)

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema