Neuer Terror Frankreich ringt um seine Einheit

  • Für Hollande ist das Ziel des Anschlags klar: Er soll die Gesellschaft spalten und die Religionsgruppen gegeneinander aufbringen.
  • Hollande wird sich mit Vertretern der Religionen treffen, um den Funken, den die Terroristen geschlagen haben, sofort auszutreten.
  • Nicht alle reagieren so beschwichtigend: Sarkozy, der Parteichef der konservativen Republikaner, fordert eine tief greifende Änderung im Anti-Terror-Kampf.
Von Stefan Ulrich

Die Franzosen wissen, dass es islamistisch motivierte Terroristen auf ihr Land abgesehen haben. Sie mussten erleben, wie die Täter Menschen in Restaurants und Bars, bei einem Konzert oder während eines Feuerwerks töteten. Zudem wurden in den vergangenen Jahren gezielt Juden ermordet. Am Dienstag hat sich der Terror jetzt auch gegen die Katholiken gerichtet. Zwei Angreifer stürmten während des Gottesdienstes eine Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie.

Sie schnitten dem 85 Jahre alten Priester die Kehle durch und verletzten einen Gottesdienstbesucher schwer, bevor sie von der Polizei erschossen wurden. Zuvor hatten sich die Täter zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Der IS selbst ließ mitteilen, er stehe hinter dem Angriff. Die beiden "Soldaten des Islamischen Staates" seien dem Aufruf gefolgt, die "Staaten der Kreuzfahrer-Koalition ins Visier" zu nehmen.

Für die Regierung von Präsident François Hollande ist das Ziel des Anschlags klar. Er soll Frankreich nicht nur weiter in Angst versetzen, sondern auch die Gesellschaft spalten und die Religionsgruppen gegeneinander aufbringen. Schon seit Jahren schüren kleinere Attacken, aber auch Schüsse und Brandanschläge auf Kirchen, Synagogen oder Moscheen den Hass. Hollande rief am Dienstag die Franzosen zum Zusammenhalt auf. "Unsere Einheit ist unsere Stärke", sagte Hollande in einer Fernsehansprache in Paris. Mit Geschlossenheit würden die Franzosen "den Krieg gegen den Hass und den Fanatismus gewinnen". Der Präsident wollte sich am Mittwoch mit Vertretern der Religionen in Frankreich treffen, um den Funken, den die Terroristen durch ihre Tat geschlagen haben, sofort auszutreten.

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In Saint-Étienne-du-Rouvray töten Bewaffnete einen 85-jährigen Priester. Einer der Angreifer stand unter Terrorverdacht und wurde eigentlich unter Hausarrest gestellt, wie der Staatsanwalt nun bestätigt.

Nicht alle reagieren so beschwichtigend. Nicolas Sarkozy, der Parteichef der konservativen Republikaner, forderte eine tief greifende Änderung im Anti-Terror-Kampf. Die Behörden dürften sich nicht von "juristischen Haarspaltereien" behindern lassen. Marine Le Pen vom radikalen Front National twitterte zu dem Anschlag: "Die Verantwortung jener, die uns seit 30 Jahren regieren, ist immens. Es ist empörend, wie sie jetzt daherschwätzen." Die FN-Chefin dürfte die Regierung nun auch wegen möglicher Ermittlungspannen attackieren. Einer der beiden Attentäter war der Polizei bekannt und trug eine elektronische Fußfessel. Am Dienstagabend bestätigte der Pariser Staatsanwalt François Molins, dass der erst 19-jährige gebürtige Franzose zweimal versucht habe, nach Syrien zu reisen. Er wurde beide Male festgenommen, das erste Mal in Deutschland, beim zweiten Versuch in der Türkei. Er wurde nach seiner Rückkehr in Frankreich in Untersuchungshaft genommen, kam aber unter strengen Auflagen wieder frei. Dies wird im heraufziehenden Präsidentschaftswahlkampf den Ton verschärfen.

Der "Islamische Staat" hat seine Anhänger wiederholt zu Attacken auf die angeblichen christlichen Kreuzfahrer aufgerufen, womit er Nationen wie Frankreich meint, die sich in Staaten wie Syrien oder dem Irak militärisch engagieren. 2015 konnten die Behörden einen geplanten Anschlag auf zwei Kirchen bei Paris vereiteln. Diesmal gelang das nicht.