Neonazi-Anschlagsserie und der Verfassungsschutz:Vorfälle, die stutzig machen

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Ein später gegen Roewer angestrengtes Strafverfahren endete ohne Verurteilung, weil der Angeklagte für nicht verhandlungsfähig erklärt wurde. Unterdessen soll Brandt die Honorare, die er vom Amt bekam, auch für rechtsradikale Zwecke verwendet haben. Auch erregte er bei seinen Auftraggebern durch antisemitische Äußerungen Anstoß, weshalb man sich im Sommer 2000 von ihm trennte. Kaum war Roewer gestürzt, engagierte Nachfolger Peter Nocken den V-Mann erneut - wie die Zeitungen seinerzeit berichteten, geschah dies gewissermaßen aus reiner Not, weil der Dienst zu dem Zeitpunkt angeblich zu wenig Leute in der Rechtsszene platziert hatte.

Verfassungsschutz auf dem Pruefstand

Die Zentrale des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Köln: Wegen der rechtsextremistischen Mordserie steht der Verfassungsschutz in Bund und Ländern in der Kritik.

(Foto: dapd)

In Nockens Amtszeit, die nur ein paar Monate währte, fiel noch ein anderer Vorfall, der aufmerken lässt. Dabei ging es um einen Anschlag auf eine Moschee in Gera, den drei mutmaßliche Täter der rechten Szene verübt haben sollen - einer von ihnen galt als Informant des Verfassungsschutzes. Der Amtschef soll ihn laut eines Zeitungsberichts vom August 2000 gleichsam persönlich empfangen haben, als die Polizei den Mann wieder freigab.

Dass sich Präsidenten eines Landesamts persönlich in die V-Mann-Szene einmischen, widerspricht den Vorgaben der Geheimdiensttätigkeit, wonach Beschaffung und Bewertung von Informationen getrennt sein sollten. Doch in Erfurter Regierungskreisen hält man es für möglich, dass Roewer oder sein Nachfolger manche V-Männer auf "eigene Kappe" geführt haben könnten - weshalb die Leute nicht in den Akten vermerkt wurden. Auch beim "Heimatschutz" soll es mindestens einen weiteren V-Mann gegeben haben, möglicherweise sogar eine Person, die den dreien, die später die Zwickauer Zelle gründeten, nahestand - auch wenn dies vom Thüringer Verfassungsschutz heute dementiert wird.

Schon 2001 hegte ein Beamter des Landeskriminalamtes, der mit der Suche nach Böhnhardt, Mundlos und Z. betraut war, die Vermutung, dass noch eine weitere Person aus dem THS als Zuträger für den Dienst tätig gewesen sein könnte. Zudem äußerte er die Vermutung, das es Helfer der drei Gesuchten aus dem Bereich des Dienstumfeldes gegeben haben könnte. Denn das Trio hatte ausnehmend Glück gehabt nach den ersten Anschlagsversuchen 1997.

So schrieb das LKA Thüringen die drei zwar im Februar 1998 mit Haftbefehl zur Fahndung aus, überall wurden Fotos der beiden Männer und der Frau abgedruckt. Kurz zuvor, im Januar 1998, waren der Polizei bei einer Razzia selbstgebastelte Sprengkörper in die Hände gefallen, die ihnen zugeschrieben wurden. Doch die Ermittler hatten keinen Tatverdächtigen festgesetzt, obwohl beim Ausheben der Bombenwerkstatt in Jena einer der drei Bombenbastler selbst zugegen gewesen sein soll. Hielt womöglich jemand seine schützende Hand über das Trio?

Im Frühjahr 1998 waren die drei dann angeblich spurlos verschwunden. Zwei Jahre später setzte die Mordserie ein. Doch es erscheint unwahrscheinlich, dass das Trio völlig allein operierte. So muss es noch 2000 Kontakte zu der neonazistischen Skin-Band Eichenlaub gegeben haben. Die Musikgruppe widmete den dreien damals ein Lied mit dem Titel "Warum?"

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