Nahost-Konflikt:Israel feuert auf Hamas-Funktionäre

Destruction in Gaza City

Israel bombardierte am Mittwochmorgen die Häuser einiger hoher Hamas-Funktionäre und rief die Zivilbevölkerung zur Flucht auf.

(Foto: Oliver Weiken/dpa)

Die Waffenruhe im Nahost-Konflikt ist gescheitert. Seitdem nimmt Israel den Gazastreifen wieder unter Beschuss und bombardiert die Häuser hoher Hamas-Funktionäre. Eine Bodenoperation rückt näher.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Das Scheitern der Waffenruhe setzt die Menschen im Gazastreifen einem nochmals gesteigerten militärischen Druck aus. Am Mittwoch forderte Israel die Bewohner dreier Ortschaften im nördlichen Teil des Palästinensergebiets wegen einer bevorstehenden Angriffswelle zur Flucht auf. Betroffen waren davon bis zu 250 000 Menschen.

Bombardiert und dem Erdboden gleichgemacht wurden bereits am Morgen die Häuser einiger hoher Hamas-Funktionäre, um den Druck auf die Führungsriege zu verstärken. Parallel dazu gingen die Bemühungen um einen diplomatischen Ausweg weiter.

Armee fordert Menschen per SMS auf, die Häuser zu verlassen

"Die Evakuierung ist zu ihrer eigenen Sicherheit", hieß es auf Zetteln, die israelische Flugzeuge über dem Gazastreifen abwarfen. Angekündigt wurden darin "Luftangriffe auf Terrorziele", da aus den betreffenden besiedelten Orten viele Raketen auf Israel abgefeuert worden seien. Ähnliche Botschaften wurden auch per SMS und mit automatisierten Anrufen verbreitet.

Trotzdem wurde jedoch zunächst keine Massenflucht in dem Palästinensergebiet verzeichnet. Das Hamas-Innenministerium hatte die Menschen aufgefordert, sich nicht von der "psychologischen Kriegsführung" des Gegners in die Flucht schlagen zu lassen.

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Das israelische Internetportal Ynet berichtet zudem über Drohungen von Seiten der Hamas, sich an all denen zu rächen, die ihre Häuser verlassen. Am Sonntag noch hatten sich viele Bewohner der nördlich gelegenen Ortschaft Beit Lahija nach einer ähnlichen israelischen Aktion in sichere Unterkünfte der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt gerettet. Dort sollen inzwischen 17 000 Menschen kampieren.

Israel feuert gezielt auf Häuser hoher Hamas-Funktionäre

Nachdem Israels Premier Benjamin Netanjahu am Dienstag als Reaktion auf die gescheiterte Waffenruhe eine Verschärfung des Militäreinsatzes angekündigt hatte, zerstörten israelische Kampfflugzeuge bei ihren jüngsten Angriffen allein 30 Wohnhäuser. Darunter war auch das Anwesen des Hamas-Mitbegründers Mahmud Zahar. Er selbst soll sich zur Zeit der Angriffe an einem anderen Ort aufgehalten haben, wird aus Gaza gemeldet.

Gezielt beschossen wurde auch ein fahrendes Auto in der südlichen Stadt Khan Junis, in dem nach Armeeangaben drei Terroristen starben. Getötet wurde dabei nach palästinensischen Angaben aber auch ein zehnjähriger Junge. Bei der israelischen Bombardierung eines Strandes in der Stadt Gaza wurden am Mittwoch zudem vier Kinder getötet, dies teilte der palästinensische Rettungsdienst mit. Die Zahl der Toten stieg im Gazastreifen inzwischen auf mehr als 200, mehr als 1500 Menschen erlitten Verletzungen.

An diesem Donnerstag will Israel zumindest für einige Stunden den Beschuss des Gazastreifens unterbrechen, aus "humanitären Gründen", wie das Militär mitteilte.

Raketenabwehrsystem verhindert hohen Blutzoll

In Israel verhindert das Raketenabwehrsystem "Iron Dome" einen höheren Blutzoll. Der Beschuss aus dem Gazastreifen ließ auch am Mittwoch nicht nach. Ein Teil der Raketen wird aus Tunnelanlagen abgefeuert. Die möglichst komplette Zerstörung dieser unterirdischen Abschussrampen ist nach Angaben des israelischen Armeeradios nun vom Sicherheitskabinett beschlossen worden. Dazu sei auch die Option eines zumindest begrenzten Bodeneinsatzes diskutiert worden.

Der Beginn eines Bodenkriegs würde die Bemühungen um ein Ende der Kämpfe weiter erschweren. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas ist inzwischen nach Kairo gereist, von dort aus will er weiter in die Türkei fliegen. Israels TV-Sender Channel 2 berichtete von einem angeblichen Hamas-Vorschlag zu einem zehnjährigen Waffenstillstand. Als Bedingung wird die Öffnung aller Grenzen für Menschen und Waren, die internationale Überwachung des Seegebiets sowie eine Gefangenenfreilassung genannt.

© SZ vom 17.07.2014/fie
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