Nahost: Drohung gegen Israel Weihnachtsbotschaft von der Hamas

Pressekonferenz mit Maschinenpistolen: Die radikalislamische Hamas hat im Fall eines israelischen Angriffs mit Vergeltung gedroht - und vor einer geheimen Waffe gewarnt.

Das Westjordanland ist sicherer geworden, es kommen soviele Menschen wie seit zehn Jahren nicht mehr zu Weihnachten nach Bethlehem. Dass der Nahe Osten aber vom Frieden noch weit entfernt ist, zeigt die Botschaft, die die Hamas aus dem Gazastreifen an Israel richtet: Für den Fall eines israelischen Angriffs hat die radikalislamische Palästinensergruppe mit der Aufkündigung ihres seit zwei Jahren geltenden Waffenstillstands gedroht.

Hamas-Sprecher Abu Obeideh mit seinen bewaffneten Begleitern während der Pressekonferenz in Gaza.

(Foto: REUTERS)

Wie ein Sprecher der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas, am Samstag in Gaza sagte, seien die Kämpfer jederzeit bereit, auf eine "israelische Aggression" zu reagieren. Die Israelis spielten mit dem Feuer, sagte er. Der nach dem Ende des Gaza-Kriegs im Januar 2009 ausgerufene Waffenstillstand werde nur eingehalten, wenn Israel seine "Aggression" und seine "Belagerung" beende. "Die Versuche des Feindes, eine Eskalation der Lage herbeizuführen, werden nicht mit Schweigen beantwortet", sagte der Sprecher.

Der Maskierte stellte sich auf einer Pressekonferenz als Abu Obeideh vor und trat umringt von bewaffneten Wachen auf. "Wir haben inzwischen ein Arsenal von Raketen und anderen Geschossen, wir haben begonnen, unsere eigenen Waffen zu schmieden und unsere Fähigkeiten unter extrem schwierigen Bedingungen weiterentwickelt", sagte er - und richtete noch eine obskure Warnung an Israel: Die Hamas sei im Besitz einer neuen Waffe. "Wir haben etwas, was die Besatzer beunruhigen wird", sagte Obeideh, ohne genauere Angaben zu machen.

In der vergangenen Woche war an der Grenze des Gazastreifens ein israelischer Panzer mit einer russischen Panzerabwehrrakete vom Typ Kornet beschossen worden. Es war das erste Mal, dass der Einsatz einer solchen Waffe in dem Gebiet gemeldet wurde.

Auch der Chef der Kassam-Brigaden, Ahmed el-Dschabari, betonte in einem in einer Hamas-Zeitung veröffentlichten Brief, der Kampf gegen Israel werde weiter fortgesetzt. "Unser Widerstand wird andauern, solange die Zionisten da sind", schrieb Dschabari. Die Hamas werde erst Ruhe geben, bis Israel vom palästinensischem Gebiet vertrieben sei. Israelis hätten daher nur die Wahl zwischen "Tod und dem Verlassen der palästinensischen Gebiete". Die Hamas hat bis heute das Existenzrecht Israels nicht anerkannt.

Beim Gaza-Krieg zur Jahreswende 2008/2009, mit der Israel auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen reagierte, waren 1400 Palästinenser und 13 Israelis ums Leben gekommen. Ein unverbindlicher Waffenstillstand setzte den Kämpfen vorläufig ein Ende. Dennoch kam es wiederholt zu Raketenangriffen auf israelische Ziele, die offenbar auf das Konto kleinerer militanter Gruppierungen gehen.

Erst in der vergangenen Woche hatten Palästinenser 30 Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Dabei wurde ein 15-jähriges Mädchen leicht verletzt. Israel flog daraufhin mehrere Luftangriffe gegen Einrichtungen der Hamas. Ein Palästinenser wurde getötet, mehrere weitere wurden verletzt. Auch am frühen Samstagmorgen bombardierte Israel nach eigenen Angaben eine "Einrichtung zur Terrorausbildung" im Gazastreifen und einen zum Waffenschmuggel aus Ägypten genutzten Tunnel.