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Beck-Rücktritt als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz:Eine Ministerin, die ihre Politik selbst lebt

In Marienrachdorf im Westerwald steigt Malu Dreyer vor einem alten Bauernhof aus dem Bus. "Guten Tag, ich bin die Frau Dreyer, ich bin die Sozialministerin", sagt sie zu einer alten Frau, die hier wohnt, in einem Projekt, wie es ganz nach dem Geschmack der Ministerin ist. Ein Unternehmer hat den Hof umgebaut in eine WG für alte Menschen, sie können hier Hühner füttern und Gänse auf die Wiese treiben, trotzdem werden sie professionell versorgt.

Das ist eines der Ziele, für die Malu Dreyer in den vergangenen Jahren gearbeitet hat: Dass alte Menschen nicht zwangsläufig in ein Heim müssen, dass "sie eine echte Alternative haben", deshalb besucht sie auf ihrer Bustour gleich mehrere solcher Projekte. "Ich lebe ja selbst in so einem Wohnprojekt", sagt die Ministerin.

Sie wohnt im Zentrum von Trier im Schammatdorf, einem Modellprojekt, wo Behinderte und Nichtbehinderte, Alte und Junge wie in einem kleinen Dorf zusammenleben und gegenseitig "Verantwortung füreinander übernehmen", wie Malu Dreyer sagt. Sie ist also eine Ministerin, die ihre Politik selbst lebt, was durchaus einen spürbaren Unterschied macht bei der Leidenschaft, mit der sie über ihre Initiativen wie "Menschen pflegen" spricht.

Sie verhandelte bei den Gesundheitsreformen und erwarb sich Respekt

In Trier lebt Malu Dreyer zusammen mit ihrem Mann Klaus Jensen, dem ebenfalls sehr fröhlichen und keinesfalls gewöhnlichen Oberbürgermeister, und dessen drei Kindern. Sie hat einmal erzählt, wie sie sich das erste Mal begegneten, da war sie noch Bürgermeisterin in Bad Kreuznach und ihr späterer Mann Staatssekretär im Sozialministerium, der zur Einweihung einer Kita kam. "Ich habe gedacht: Was ist denn das für ein toller Politiker", sagt Malu Dreyer.

Inzwischen sehen sich die beiden praktisch nur am Wochenende, was auch daran liegt, dass Malu Dreyer häufig in Berlin weilt. Sie verhandelte bei den Gesundheitsreformen mit und erwarb sich rasch den Respekt der Bundespolitiker. Sie sitzt auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat. Sie ist also präsent in der Hauptstadt, auch wenn die Juristin nie den Drang verspürte, dorthin zu wechseln.

Sie wirft die CDU-Taktik über den Haufen

Nun ist sie also als Siegerin hervorgegangen aus dem langen Machtkampf um Kurt Becks Nachfolge. Nicht nur ihre herzliche Art hat ihr geholfen, nicht nur ihre Fachkompetenz, sondern auch, dass sie als eine der wenigen SPD-Politiker in Rheinland-Pfalz unbelastet ist von dem Skandal um die Pleite am Nürburgring. Alles zusammen macht sie zu einer perfekten Überraschungskandidatin, die nicht nur die eigene Partei begeistert, sondern auch die politischen Gegner in große Not bringt.

Bei der rheinland-pfälzischen CDU steht ebenfalls eine Frau an der Spitze, Julia Klöckner, die in den vergangenen Monaten all ihre Kraft in Angriffe auf Kurt Beck gelenkt hat. Bald ist Beck weg und die forsche CDU-Herausforderin muss es mit einer allseits beliebten Regierungschefin aufnehmen, von der bislang kein einziges Skandälchen bekannt ist.

Das wirft die CDU-Taktik über den Haufen. Malu Dreyer ist übrigens Profi genug, um zur richtigen Zeit auch mal zu schweigen. Als die SZ sie diese Woche zu ihrer Zukunft befragen wollte, ließ sie von ihrer Sprecherin ausrichten: So viele Termine! Da sei leider keine Zeit für ein Telefonat.

© SZ vom 29.09.2012/anri

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