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Beck-Rücktritt als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz:"Guten Tag, ich bin die Frau Dreyer"

Sie ist herzlich, sie ist kompetent und von Skandalen unbelastet. Alles zusammen macht Malu Dreyer zu einer perfekten Überraschungskandidatin für die Nachfolge Kurt Becks in Rheinland-Pfalz. Damit bringt sie ihre politischen Gegner in große Not.

Es ist eine irritierende Erfahrung im harten, manchmal brutalen Politikgeschäft, es ist anfangs schwer zu glauben. Normalerweise ist diese Welt voll winziger Stiche und Boshaftigkeiten, gewöhnlich kursieren über jeden in diesem Metier kleine Geschichten, die ihn in ein schlechtes Licht stellen, gern erzählt von sogenannten Parteifreunden.

Malu Dreyer

Über Malu Dreyer (SPD) verliert keiner ein schlechtes Wort. Damit bringt die künftige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz die CDU in Bedrängnis.

(Foto: dpa)

Bei Malu Dreyer scheint diese Grundregel des Politikbetriebs außer Kraft gesetzt zu sein. Man kann sich unterhalten mit wem man will in Mainz oder Berlin - über die künftige Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz fällt kein schlechtes Wort. Ein Mirakel?

Vor Kurzem hat Malu Dreyer, derzeit noch Sozialministerin des Landes, Journalisten zu einer kleinen Reise eingeladen. Es ging an diesem Tag Anfang September quer durchs ganze Land, nach Koblenz, Marienrachdorf und Trier, und heute ahnt man, dass diese Tour wohl auch eine Frage beantworten sollte: Ist sie denn körperlich fit für ihr Amt und für höhere Aufgaben? Vor sechs Jahren gab Malu Dreyer auf einer Pressekonferenz bekannt, dass sie an multipler Sklerose leidet. Bis dahin war sie stets als Kronprinzessin genannt worden, aber danach, wegen der Krankheit, haben sie viele von der Liste möglicher Thronfolger genommen. Voreilig.

Malu Dreyer kann in wenigen Minuten einen Raum erwärmen

Der Bus war gerade mal ein paar Kilometer auf der Autobahn, da erzählte die 51-Jährige unbefangen, wie es ihr Wesen ist, von ihrem Urlaub in den USA. Es sei echt praktisch, wenn man in den USA eine Behinderung habe, plauderte sie, die ganze Familie profitiere davon. Am Flughafen zum Beispiel, da werde man vom Flieger abgeholt und könne im Rollstuhl an allen Schlangen vorbeifahren. Sie lachte, nein sie gluckste vergnügt, als sie diese Erlebnisse erzählte, und der ganze Bus war angesteckt von ihrer Fröhlichkeit. Malu Dreyer kann das, sie kann in wenigen Minuten einen Raum erwärmen.

An diesem Tag gab es eine Premiere. Sie hat sich zum ersten Mal im Rollstuhl gezeigt. Bei langen Fußwegen ließ sie sich lächelnd in ihren "Rolli" plumpsen und von ihrer Pressesprecherin oder einem Abteilungsleiter ans Ziel schieben. Sie lachte so herzlich dazu, dass ein Gedanke nicht fernlag: Wären alle Menschen so fröhlich wie diese Frau im Rollstuhl, keiner würde sich mehr über die ewig nörglerischen Deutschen wundern.

Malu Dreyer hat ihre Krankheit nie versteckt

Ihre Krankheit ist die Privatsache von Malu Dreyer, doch bei einer Regierungschefin stellt sich automatisch die Frage, ob sie ihr Amt durchhalten kann, einen der anstrengendsten Jobs der Republik. Malu Dreyer hat ihre Krankheit nie versteckt, es konnte auch jeder sehen, wie sie sich im Landtag mit kleinen, vorsichtigen Schritten von einem Helfer zur Regierungsbank führen lässt.

Seit einiger Zeit schon, so ist zu hören, hat sich ihr Zustand nicht verschlechtert, ist offenbar stabil. Sie hat sich mit ihren Ärzten besprochen, gemeinsam kam man offenbar zu dem Urteil, dass sie sich den Stress zutrauen kann. Im Bus plaudert sie noch bis Mitternacht munter mit den Reportern.

Schon bisher hat die Ministerin alles andere als ein reduziertes Programm absolviert. Seit März 2002 sitzt sie im Kabinett, und der Name ihres Ministeriums wird von Wahl zu Wahl länger. Inzwischen ist sie zuständig für "Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie", sie kümmert sich also gleich um mehrere Herzensthemen der Sozialdemokratie. Und schafft es, dabei Herzen zu gewinnen.