Nach Wahlniederlage Multimillionär Stronach verlässt Österreich

Unternehmer Frank Stronach wollte Österreichs Parteienlandschaft umkrempeln. Jetzt kehrt er frustriert nach Kanada heim.

Chaotische Reden, Aussetzer und Patzer: Unternehmer Frank Stronach hat mit seiner Neu-Partei "Team Stronach" den Wahlkampf in Österreich belebt, aber nicht gewonnen. Nun kehrt der 81-Jährige frustriert in seine Wahlheimat zurück.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Vor der Abschiedsrede von Frank Stronach im österreichischen Parlament meldete sich einer seiner Fraktionskollegen zu Wort. Das Thema der Debatte war: Familienpolitik. Der Abgeordnete des Teams Stronach wollte aber lieber über den ORF sprechen. Der solle besser keine Berichte mehr zeigen, in denen jemand, der viel für dieses Land getan habe, lächerlich gemacht werde, forderte er.

Der Mann, für den diese späte Verteidigungsrede gehalten wurde, trat dann gegen Mittag ans Mikrofon - vermutlich zum letzten Mal. "Danke, dass ich hier sein durfte", sagte der 81-Jährige, der den Wahlkampf im vergangenen Sommer mit seinem "Team Stronach", einer populistischen Neu-Partei, seinen unterhaltsam-chaotischen Reden, seinen Aussetzern und seinen Patzern belebt hatte.

Keine Lust mehr auf Politik made in Austria

Stronach, der Parteichef bleiben wird, aber seiner Mannschaft kein Geld mehr geben mag, zieht sich nach Kanada zurück, wohin er vor vielen Jahren ausgewandert war. Mit der Politik, die er in seiner alten Heimat noch einmal so richtig verändern, anschieben, erneuern wollte, ist es aus. Er wolle mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen.

Tatsächlich ist es wohl eher so, dass der Multimillionär, der sein Geld mit dem Autozulieferer Magna gemacht hatte, keine Lust mehr hat auf Politik made in Austria. Nach einem furiosen Start, als ihm etwa zehn Prozent der Stimmen vorhergesagt worden waren, wurden es zum Schluss nicht mal sechs.

Zu absonderlich fanden viele Wähler die Auftritte des Mannes, der sich nur noch holprig in seiner Muttersprache ausdrücken kann, zu dünn auch das Wahlprogramm, das vorwiegend aus dem Mantra "Wahrheit, Transparenz, Fairness" bestand, zu ärgerlich seine Spontanforderungen wie die Todesstrafe für Berufskiller. Der Selfmademan, der wieder und wieder seinen wirtschaftlichen Erfolg betonte, fand sich mit den Spielregeln einer politischen Welt nicht zurecht, die er nicht allein bestimmen konnte.

Stronach bestraft seine Partei für die Wahlniederlage

Nach der Wahlschlappe im vergangenen September machte sich Stronach deshalb daran, seine Partei umzubauen und regelrecht zu bestrafen. Kreditlinien wurden gestrichen, Geld zurückgefordert, das vorher mit gönnerischer Geste als Geschenk ausgereicht worden war. Führungspersonal wurde ohne Debatte abgesetzt, neues gegen den Willen der regionalen Parteivertretungen eingesetzt.

Die Wähler fanden auch das nicht sehr sympathisch; derzeit käme das Team Stronach auf gerade mal ein bis zwei Prozent. Zum Abschied erläuterte Stronach nun trotzig, er habe ohnehin immer gesagt, er strebe kein Amt, keinen Titel an und werde nicht lange im Parlament sein.

Ein kleiner Exkurs in die Wirtschaft musste es noch sein, Österreich sei zu weit weg von der Realwirtschaft, man müsse Produkte herstellen, die man auch verkaufen könne. Ein kleines Lob für sein Team und die obligatorischen "Werte", und zum Schluss eine versöhnliche Geste: Er ziehe sich mit Respekt zurück. Das war's.

Bei den anderen Parteien im Nationalrat wurde denn auch kaum Trauer laut über den Verlust des unterhaltsamen, aber auch sehr anstrengenden Kurzzeit-Kollegen: Die Rechtspopulisten von der FPÖ, denen er ein paar Prozente abgenommen hatte, sind froh über weniger Konkurrenz, und eine SPÖ-Politikerin sagte zum Abschied launig: "Bleiben Sie so wie Sie sind, aber bleiben Sie der österreichischen Politik fern."