Nach Rücktritt des Bundespräsidenten Schwierige Suche nach einem Nachfolger

Die Spitzen von Union und FDP kommen im Laufe des Tages erneut im Kanzleramt zusammen. Möglicherweise gibt es auch ein Treffen mit den Oppositionsparteien SPD und Grüne. Ziel ist es einen Kandidaten zu finden, der breiten Rückhalt in der Bundesversammlung hat. Dort hat Schwarz-Gelb nur eine hauchdünne Mehrheit.

Allerdings gestaltet sich die Suche schwieriger als gedacht. Merkels erster Anlauf für einen Konsenskandidaten scheiterte. Alle Beteiligten hatten sich nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Berlin darauf geeinigt, als Nachfolger für Wulff den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, vorzuschlagen.

Der 48-Jährige lehnte aber nach kurzer Bedenkzeit ab. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) steht nicht zur Verfügung. Lammert habe offenbar von Anfang an keine Präferenz für dieses Amt gehabt, sagte CSU-Chef Horst Seehofer.

"Er täte unserem Land gut"

Als weiterer möglicher Kandidat wurde der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, genannt. Gegen ihn gibt es in der aber Vorbehalte in der Koalition. Am Samstagabend fiel in Verhandlungskreisen der Name von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Die 67-Jährige will sich im März nach 17 Jahren von ihrem Amt zurückziehen. Auch in der CSU-Präsidiumssitzung sei über Roth gesprochen worden. Allerdings äußerte die FDP Vorbehalte gegen Roth. Aus Sicht der Liberalen wäre sie ein zu starkes politisches Signal für Schwarz-Grün im Bund, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf FDP-Kreise.

SPD-Chef Gabriel forderte die Kanzlerin erneut auf, ohne Vorfestlegung in die Gespräche zu gehen. "Wir machen nicht mit, wenn wir nach der Methode 'Friss Vogel oder stirb' einen Kandidaten vorgesetzt bekommen", sagte Gabriel. Sollte die Koalition keine ernsthaften Gespräche mit der SPD und den anderen Parteien im Bundestag führen, werde es einen Gegenvorschlag geben. "Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt."

Gleichzeitig bekräftigte Gabriel, dass Joachim Gauck der Favorit der SPD für das höchste Staatsamt bleibe. "Er täte unserem Land gut und hätte großes Vertrauen bei den Bürgern." Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte: "Für mich wäre es schwer einsehbar, wenn Frau Merkel Herrn Gauck ein zweites Mal verhindern wollte." Der nächste Bundespräsident müsse ein Präsident der Bürger sein, so Schwesig.

Joachim Gauck genießt ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Gut jeder zweite Deutsche wünscht sich der Emnid-Umfrage zufolge Joachim Gauck als Staatsoberhaupt.

Mögliche Wulff-Nachfolger

Bundespräsident verzweifelt gesucht