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Protest:Hunderttausende Streikende legen Myanmar lahm

Nach dem Militärputsch in Myanmar

Demonstranten versammeln sich in Yangon zum Protest.

(Foto: Uncredited/dpa)

Die Armee hatte angekündigt, dass Protestierende sterben würden, dennoch gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße.

Von David Pfeifer, Bangkok

Demonstranten in Myanmar haben sich am Montag zum bisher größten Generalstreik versammelt, nachdem sich das Militär am 1. Februar zurück an die Macht geputscht und seitdem versucht hatte, Volk und Informationsfluss in den Griff zu bekommen. Die Demonstranten allerdings sind gut darin, Botschaften ins Ausland zu senden. Sie protestieren nicht nur flächendeckend in Myanmar und sorgen dafür, dass die Bilder davon um die Welt gehen. Auch andernorts bauten sie sich vor Botschaften und Vertretungen der Vereinten Nationen auf. Am Montag, dem 22. 2. 2021, sollte die Zahlenfolge mit den fünf Zweien an die 8888-Revolten am 8. 8. 1988 erinnern, als in Myanmar schon einmal Proteste blutig niedergeschlagen wurden. Die Machthaber hatten auch an diesem Sonntag davor gewarnt, "dass Protestierer den Verlust ihres Lebens erleiden könnten."

Der Protest verläuft glimpflich

Die Proteste verliefen jedoch glimpflich, obwohl Hunderttausende auf den Straßen waren, nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. Sogar in Mandalay, wo die Polizei am Samstag bei Protesten noch mit scharfer Munition auf die Menschen geschossen und mindestens zwei getötet hatte, gingen sie montags wieder zu Zehntausenden los. In der Hauptstadt Naypyidaw waren Szenen zu sehen, in denen Polizisten die Demonstrierenden auseinander trieben und in die Büsche zogen, Handgemenge und Prügeleien provozieren wollten, um dann umso härter zuschlagen zu können. Doch die Protestierer blieben diszipliniert friedlich und hielten ihre Transparente in die Luft. In Yangon waren die Straßen zu einigen internationalen Botschaften gesperrt, damit dort nicht auch wieder Protestnoten angebracht werden konnten. Die Demonstranten wollen den Druck auf das Militär aufrechterhalten.

China stützt die Junta

Dieser Druck allerdings kommt nur zu kleinen Teilen durch Beobachtung von außen - solange China die Militärjunta stützt, ist wohl relativ egal, was man im Ausland dazu sagt. Doch durch den Generalstreik wird das ohnehin schon relativ arme asiatische Land von der eigenen Bevölkerung in eine Krise gestürzt. Die Logik dahinter: Da sich ohnehin nur die militärischen Machthaber an der Wirtschaft bereichern und beim Volk wenig ankommt, lässt man die Generäle auf diese Weise verdursten.

Immer mehr Berufsgruppen marschieren mit

Jeden Tag schließen sich mehr Berufsgruppen dem "Civil Disobedience Movement" an, der Verweigerungsbewegung, die statt einer direkten Konfrontation mit dem Militär den Alltag lahmzulegen versucht. Die Banken sind größtenteils geschlossen, Regierungsärzte verweigern die Arbeit, Ingenieure auch, Bauprojekte liegen brach. "Grab", der größte Lieferservice, der gleichzeitig E-Commerce-Plattform und Transportunternehmen ist, stellte den Lieferbetrieb ein, ließ aber die Taxis weiter laufen.

Bei den Streiks wurde immer wieder das Lied "Kabar Ma Kyay Bu" gesungen, das die Myanmarer ebenfalls an die Revolte von 1988 erinnert. Die Solidarität unter den Protestierenden ist riesig, in der Gluthitze wurde Wasser verteilt, auch für Nahrung war auf vielen Protestveranstaltungen gesorgt worden. Sogar wer selber kaum etwas hat, machte mit. Auf Bildern aus Yangon sieht man Bettler, die das Essen, dass sie erbettelt haben, an Demonstrierende verteilen.

Wer kommt länger ohne Wasser durch die Wüste?

Doch wer länger ohne Wasser durch die Wüste kommt, die Armee oder das Volk, das wird sich erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Die USA, Kanada und Großbritannien haben Sanktionen gegen die Anführer des Militärcoups beschlossen, die EU geht eher zaghaft vor (siehe Kasten). Facebook sperrte am Sonntag eine Militär-Seite, auf der zu Gewalt aufgerufen worden war. Facebook ist das bevorzugte soziale Netzwerk im Land, auch wenn in den vergangenen Wochen Zweifel an der Sicherheit des Messenger-Dienstes aufgekommen waren, mit dem viele Myanmarer Nachrichten untereinander und mit dem Ausland austauschen, gerade jetzt.

António Guterres, Generalsekretär der UN, versuchte zumindest rhetorisch noch mal aufzurüsten: "Ich rufe das Militär in Myanmar dazu auf, die Unterdrückung umgehend einzustellen. Lassen Sie die Gefangenen frei, stoppen Sie die Gewalt, respektieren Sie die Menschenrechte und den Willen des Volkes in der vergangenen Wahl." Immerhin scheint sich die Gemeinschaft der Asean-Staaten, zu denen Myanmar gehört, sowie deren direkte Nachbarn Laos und Thailand nun auch darauf zu verständigen, die Vorgänge kritisch zu beobachten. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Montagabend, dass Indonesien, das zweitgrößte Land der Region nach China und Sitz der Asean-Gemeinschaft, die Nachbarn dazu drängen möchte, die Militärjunta zumindest auf die freien Wahlen festzunageln, die den Myanmarern versprochen wurden. Das Problem daran: Im November 2020 war erst frei gewählt worden, das Ergebnis hatte den Generälen nur nicht gepasst.

© SZ/toma
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