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Mögliche Vergiftung von Jassir Arafat:Israel nennt Polonium-These "Seifenoper"

Ist Palästinenserpräsident Jassir Arafat doch vergiftet worden? Eine Analyse von Schweizer Wissenschaftlern deutet darauf hin. Sie fanden in Proben aus dem Leichnam Arafats eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Elements Polonium. Israel nannte die Untersuchung unseriös.

Der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat ist 2004 möglicherweise doch einem Giftmord zum Opfer gefallen. Darauf zumindest deuten Untersuchungsergebnisse eines Schweizer Ärzteteams hin, von denen der TV-Sender Al-Dschasira und die britische Zeitung Guardian berichten. Die Proben, die bei einer Exhumierung von Arafats Leiche vor knapp einem Jahr entnommen worden waren, würden 18-mal mehr Polonium enthalten als normal, berichtete die Fernsehstation. Der Sender veröffentlichte den umfangreichen forensischen Bericht auf seiner Webseite.

Der langjährige PLO-Vorsitzende Arafat war im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris im Alter von 75 Jahren verstorben. Laut dem neuen Schweizer Bericht fanden die vorgenommenen "neuen toxikologischen und radiotoxikologischen Untersuchungen" ein "unerwartet hohes Niveau von Polonium-210- und Blei-201-Aktivität" in den untersuchten Proben aus der Leiche. Dabei analysierten die Wissenschaftler unter anderem auch Teile von Arafats Rippenknochen.

Zusammenfassend heißt es in dem englischsprachigen Bericht, die Ergebnisse würden die These "mäßig stützen" ("moderatedly support"), wonach Arafats Tod die Folge einer Vergiftung mit Polonium-210 gewesen sei. Der Bericht unterteilt mögliche Bestätigungen einer These in verschiedene Stufen. Demnach ist "mäßig stützen" die zweithöchste Bestätigung nach "stark stützen" ("strongly support").

"Eher eine Seifenoper"

Israel hat die Untersuchungsergebnisse als unseriös abgetan. Bei dem Fund ungewöhnlich hoher Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 in Gewebeproben Arafats handele es sich "eher um eine Seifenoper als um Wissenschaft", zitierte die Zeitung Jerusalem Post den Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem, Jigal Palmor. Viele Palästinenser verdächtigen Israel, den im Alter von 75 Jahren gestorbenen Arafat vergiftet zu haben. Israel hat dies stets vehement zurückgewiesen.

"Alles ist sehr, sehr unklar", sagte Palmor. "Klar ist nur, dass die Theorie (vom Giftmord) große Löcher aufweist, mehr Löcher als ein Schweizer Käse", fügte er hinzu. Die Experten vom Institut für Radiophysik in Lausanne hätten weder die früheren Arbeitsräume Arafats in Ramallah noch das französische Krankenhauses, in dem Arafat 2004 gestorben war, auf die radioaktive Substanz untersucht. Auch hätten sie keinen Zugang zu Arafats Krankenakte gehabt. "Wie kann man eine Todesursache feststellen, ohne alle notwendigen Informationen zu besitzen", fragte Palmor und fügte hinzu: "Das ist alles nicht seriös."

Vertraute des früheren Ministerpräsidenten Ariel Scharon, der zum Todeszeitpunkt Arafats in Israel regierte, wiesen eine Verantwortung Jerusalems für einen möglichen Giftmord zurück. "Nach meinem besten Wissen gab es während meiner Zeit im Büro des Regierungschefs keinerlei Absicht, Arafat zu vergiften oder ihm Schaden zuzufügen", sagte Scharons ehemaliger Kanzleichef Dov Weissglass der Nachrichtenseite Ynet. Scharons früherer Berater Raanan Gissin sagte: "Es ist immer am leichtesten, Israel zu beschuldigen." Er sprach von einem möglichen innerpalästinensischen Machtkampf als Hintergrund für Arafats Tod.

Spuren auf Unterwäsche, Haaren und der Zahnbürste

Im vergangenen November waren in Ramallah die sterblichen Überreste des Palästinenserpräsidenten exhumiert worden. Dabei hatten Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland Proben entnommen. Die russischen Wissenschaftler hatten zuvor keine Spuren des radioaktiven Gifts Polonium-210 im Leichnam Arafats gefunden. Das Institut für Radiophysik des Universitätsklinikums in Lausanne hatte im Juli 2012 schon bei Untersuchungen von einigen persönlichen Gegenständen Arafats Spuren des radioaktiven Isotops gefunden, unter anderem einer Mütze, Unterwäsche, Haaren und Arafats Zahnbürste.

Nach einem Fernsehbericht über Spuren von Polonium, die an persönlichen Gegenständen Arafats gefunden worden waren, hatte Arafats Witwe Suha im Sommer 2012 Anzeige erstattet. Daraufhin wurden Mordermittlungen eingeleitet. Nun sprach Suha von einem "Verbrechen des Jahrhunderts".