Exhumierung von Jassir Arafat Experten uneins über mögliche Vergiftung

Wurde der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat mit Polonium vergiftet? Nach der Untersuchung von Gewebeproben des Toten beantworten russische Experten diese Frage jetzt mit einem klaren Nein. Schweizer Wissenschaftler kommen allerdings zu einem anderen Ergebnis.

Russische Experten haben keine Spuren des radioaktiven Gifts Polonium 210 im Leichnam des 2004 gestorbenen Palästinenserführers Jassir Arafat gefunden. "Er kann nicht mit Polonium vergiftet worden sein", sagte Wladimir Ujba, der Chef der staatlichen biologisch-medizinischen Agentur.

Die Ergebnisse von Schweizer Wissenschaftlern deuten allerdings in eine andere Richtung. Das Wissenschaftsmagazin The Lancet veröffentlichte einen Artikel, demzufolge die Schweizer anhand der 2012 an Arafats persönlichen Gegenständen gefundenen Polonium-Mengen berechnet hätten, dass der Palästinenserführer acht Jahre zuvor mehrere tödlich wirkende Dosen der radioaktiven Substanz erhalten haben könnte. Dies seien allerdings nur wissenschaftliche Schlussfolgerungen ohne konkrete Beweise einer Vergiftung.

Arafat war am 27. November 2012 in Ramallah exhumiert worden. Die Palästinenser hatten behauptet, dass israelische Kräfte ihren Präsidenten vergiftet hatten. Außer russischen Experten hatten auch je ein Team aus der Schweiz und aus Frankreich bei der Öffnung von Arafats Grab Gewebeproben für eine Untersuchung entnommen. Die Ergebnisse aus der Schweiz und aus Frankreich wurden jedoch noch nicht veröffentlicht.

Die Spezialisten aus Moskau hätten laut Wladimir Ujba eine genaue Expertise angefertigt und zudem regelmäßig das russische Außenministerium über ihre Erkenntnisse informiert. Zur Frage, warum das Ergebnis so viel später als ursprünglich angekündigt veröffentlicht wurde, gab es aber keine Auskunft. Nach der Exhumierung im vergangenen November war von drei bis vier Monaten die Rede gewesen.

Der Verdacht, Arafat könnte mit Polonium vergiftet worden sein, war durch Untersuchungen von einigen seiner persönlichen Gegenstände durch das Institut für Radiophysik des Universitätsklinikums in Lausanne (CHUV) im Juli 2012 aufgekommen. Experten des CHUV hatten dabei unter anderem Unterwäsche und eine Mütze untersucht, die Arafat kurz vor seinem Tod getragen haben soll. Daran hatten sie erhöhte Werte von Polonium 210 festgestellt.

Auch an Arafats Zahnbürste sowie an den Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops gefunden worden. Allerdings hatten die Wissenschaftler auch darauf hingewiesen, dass diese vorläufigen Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien. Seine Witwe Suha hatte wegen der Hinweise aus Lausanne Anzeige wegen des Verdachts auf Vergiftung erstattet.

Vergiftungen mit Polonium haben schon vor dem Fall Arafat Aufsehen erregt. So ist beispielsweise der russische Ex-Agent und Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 mit Polonium 210 vergiftet worden und daran gestorben.