Tennissocke:Wieder Fuß gefasst

'Suicide Squad' - European Premiere - Red Carpet Arrivals

Jared Leto bei einer Filmpremiere - natürlich in Tennissocken.

(Foto: Getty Images)

Die verpönte Tennissocke feiert ein Comeback: Sogar Luxus-Mode-Marken führen sie inzwischen im Sortiment.

Von David Pfeifer

Wenn in Modemagazinen von der Rückkehr der weißen Sportsocken berichtet wird, fragt man sich: Waren sie jemals weg? Und wie häufig bei Trend-Fragen, fällt die Antwort eher gefühlig als faktisch aus: jein. Dort wo sie hingehören, auf dem Sportplatz, waren die Socken nie verschwunden. Zugleich galten sie als übelstes Relikt der 1980er-Jahre. Fragt man Menschen, die sich um Stil nicht scheren, welche Modesünde das Jahrzehnt besonders schauderhaft gemacht habe, lautet die Antwort auch bei denen: weiße Socken (womöglich noch in offenen Sandalen).

Dazu im Widerspruch steht, dass man seit Kurzem eben genau diese Socken von allerlei Edel-Designern kaufen kann. Es gibt sie von Gucci (90 Euro), Kenzo (30 Euro), Valentino (50 Euro) aber auch von neueren, sehr trendfühligen Marken wie Vetements (etwa 90.- Euro). Relativ irrsinnig erscheint dies insofern, da sich schweißsaugstarke Baumwollsocken nun mal nicht groß voneinander unterscheiden, egal ob nun der Schriftzug von Adidas oder Gucci in den Bund gestickt wurde. Wer also für ein paar Socken, die man im Sportgeschäft als Mitnahmeware im Dreierpack für wenige Euro kaufen kann, lieber 90 Euro ausgibt, muss damit eine Absicht verbinden.

Denn in der Mode manifestiert sich häufig eine "vorübergehende Verbindlichkeit", wie es die italienische Soziologin Elena Esposito ausdrückt. Tennissocken in der Luxus-Mode sind also nicht deswegen interessant, weil sie etwas bedeuten, sondern weil sich eine Bedeutung in ihnen spiegelt.

Die Socke als ironisch einsetzbares Accessoire

Welche Marke welche Bekanntheit hat, entscheidet sich zunehmend über sogenannte Influencer. Diese jungen Frauen oder Männer fungieren gleichzeitig als Model, Beschreiber und Botschafter von Mode. Sie unterliegen dabei einem gewissen Zwang zur Originalität, da sie ständig neue Looks für mehr Likes produzieren müssen. So konnte man an den Füßen diverser Influencerinnen bereits vor Monaten weiße Tennissocken in, Achtung: offenen Schuhen sehen. Es waren eher Sling-Pumps oder High Heels als Sandalen, aber doch, die Socken kamen deutlich zur Geltung.

Bald tauchten sie auch an Herrenfüßen wieder auf, wo sie deutlich sichtbar unter zu kurzen Hosen getragen wurden. Der aufmerksame Beobachter verstand: Die Überbetonung macht sie zu einem ironisch einsetzbaren Accessoire. Trägerin oder Träger wollen damit ihr sorgsam ausgewähltes Outfit so wirken lassen, als wäre es ihnen gar nicht so wichtig. Ein absichtlicher Stilbruch, wie man dazu sagt, oder auch: ein sehr ernst gemeinter Scherz. Denn, wie Esposito sagt, "die Banalität der Mode ist offenkundig, und doch ist ihre Geltung unabweisbar". Von den Instagram-Accounts fanden die Tennissocken schließlich ihren Weg an die Füße der Kundschaft, die nun bereit ist, für ein Paar Tennissocken 90 Euro auszugeben. Und sei es nur aus Witz.

Wann so etwas dann ein Trend wird? Bereits an den Füßen der Influencer? Jetzt, da man sie von Gucci kaufen kann? Oder erst im kommenden Frühjahr, wenn sie aus den Instagram-Accounts und den Clubs hinausziehen werden, in die Welt von 2018.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB